Der tägliche Weg zur Arbeit oder der Wochenendausflug mit Bus und Bahn ist für viele Menschen im Landkreis Gifhorn Alltag. Doch der Ticketkauf kann oft umständlich sein: Welcher Tarif ist der richtige? Habe ich genug Kleingeld dabei? Eine innovative Technologie, die in vielen europäischen Ländern bereits Standard ist, verspricht Abhilfe – das sogenannte „Tap in/Tap out“-System. Doch wann können auch die Fahrgäste in unserer Region von dieser Vereinfachung profitieren?
Was ist das „Tap in/Tap out“-System? Eine Revolution für den Nahverkehr
Stellen Sie sich vor, Sie steigen in den Bus, halten kurz Ihre Bankkarte oder eine spezielle ÖPNV-Karte an ein Lesegerät und das war's. Kein Ticketkauf, keine App, keine Tarifzonen-Recherche. Am Zielort wiederholen Sie den Vorgang beim Aussteigen. Das System berechnet im Hintergrund automatisch die zurückgelegte Strecke und bucht den günstigsten Preis für Ihre Fahrt ab. Genau das ist das Prinzip von „Tap in/Tap out“ (TiTo), das den Zugang zum öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) radikal vereinfacht.
Die Vorteile im Überblick
Dieses System, das beispielsweise in den Niederlanden, Dänemark oder London bereits erfolgreich im Einsatz ist, bietet zahlreiche Vorteile für die Fahrgäste:
- Einfachheit: Der Kauf einer Fahrkarte entfällt komplett. Das umständliche Suchen nach dem richtigen Ticket am Automaten oder in der App gehört der Vergangenheit an.
- Gerechte Abrechnung: Es wird immer nur die tatsächlich gefahrene Strecke berechnet. Fahrgäste müssen sich keine Gedanken mehr über Tarifgrenzen machen.
- Bestpreis-Garantie: Moderne TiTo-Systeme können Tages- oder Wochenbestpreise berücksichtigen. Fährt man an einem Tag sehr viel, zahlt man nie mehr als den Preis einer Tageskarte.
- Flexibilität: Spontane Fahrten werden unkompliziert möglich. Man benötigt lediglich eine kontaktlose Bezahlkarte oder eine wiederaufladbare ÖPNV-Karte.
Die einzige Herausforderung für den Nutzer besteht darin, das „Tap out“ am Ende der Fahrt nicht zu vergessen. Geschieht dies doch, berechnen die Systeme in der Regel eine Pauschale oder den maximal möglichen Fahrpreis, um Missbrauch zu verhindern.
Hintergrund: Die komplexe Tariflandschaft in Deutschland
Warum ist ein System, das in anderen Ländern so reibungslos funktioniert, in Deutschland und damit auch im Landkreis Gifhorn noch nicht flächendeckend im Einsatz? Die Antwort liegt in der föderalen Struktur des deutschen Nahverkehrs. Anders als in vielen Nachbarländern gibt es hierzulande nicht einen einzigen nationalen Betreiber, sondern eine Vielzahl von Verkehrsverbünden und -unternehmen.
Allein der Verkehrsverbund Region Braunschweig (VRB), zu dem auch der Landkreis Gifhorn gehört, koordiniert die Angebote mehrerer verschiedener Verkehrsunternehmen. Jedes dieser Unternehmen nutzt möglicherweise eine andere Vertriebstechnik und Software. Ein System wie „Tap in/Tap out“ über die Grenzen von Verkehrsunternehmen oder gar Verbünden hinweg zu etablieren, ist eine immense technische Herausforderung. Ein Fahrgast, der von Gifhorn nach Hannover pendelt, überquert beispielsweise die Grenze vom VRB zum Großraum-Verkehr Hannover (GVH). Eine nahtlose Abrechnung wäre mit zwei inkompatiblen Systemen unmöglich.
Aus diesem Grund arbeitet der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) seit einiger Zeit an der Entwicklung eines einheitlichen, deutschlandweiten Standards. Dieses Projekt, oft unter dem Schlagwort „Deutschlandtarif“ diskutiert, soll die technischen und tariflichen Grundlagen schaffen, damit solche nutzerfreundlichen Systeme in Zukunft überall kompatibel sind. Erst wenn dieser Standard definiert und umgesetzt ist, können regionale Verbünde wie der VRB eine Lösung einführen, die nicht an der nächsten Verbundgrenze endet.
Die Pläne des VRB: Wann kommt das System in den Landkreis Gifhorn?
Der Verkehrsverbund Region Braunschweig beobachtet die Entwicklungen genau und plant langfristig die Einführung eines solchen Systems. Auf Anfrage bestätigte der VRB, dass die Einführung eines „Tap in/Tap out“-Systems vorgesehen ist, sobald die bundesweiten Standards vom VDV festgelegt sind. Man möchte bewusst keine Insellösung schaffen, die Pendlern aus Gifhorn, die beispielsweise nach Wolfsburg oder Braunschweig fahren, beim Umsteigen zwischen verschiedenen Anbietern Nachteile bringt.
Das Ziel ist eine durchgehende, barrierefreie Reisekette. Die Einführung eines Systems, das nur bei einem Teil der Busse oder nur innerhalb bestimmter Stadtgrenzen funktioniert, würde dem Gedanken der Vereinfachung widersprechen und für Verwirrung sorgen. Geduld ist also gefragt, doch die Weichen für eine modernere Zukunft des Ticketkaufs werden auf nationaler Ebene gestellt – mit direkten Auswirkungen auf die Mobilität in unserer Region.
Die Alternative ist schon da: Wie FAIRTIQ den Ticketkauf in Gifhorn vereinfacht
Bis das kartenbasierte „Tap in/Tap out“ Realität wird, müssen die Fahrgäste im Landkreis Gifhorn jedoch nicht auf Komfort verzichten. Der VRB hat bereits Anfang 2024 eine praxistaugliche und moderne Alternative eingeführt: die Smartphone-App FAIRTIQ.
Dieses System funktioniert nach dem Prinzip „Check-in/Be-out“ (CiBo). Vor dem Einsteigen öffnet der Fahrgast die App und checkt mit einem Wisch auf dem Display ein. Das Smartphone erkennt dann per GPS die gefahrene Strecke. Am Ziel angekommen, checkt man entweder manuell wieder aus oder die App erledigt dies nach einer gewissen Zeit des Stillstands automatisch. Der große Vorteil: Auch hier wird automatisch der günstigste Preis für die Fahrt berechnet, inklusive einer Tages- und Monatsbestpreis-Garantie. Man muss sich also nicht mehr mit dem Tarifsystem auseinandersetzen.
Diese Lösung bietet bereits heute viele der Vorteile eines zukünftigen TiTo-Systems und stellt eine wichtige Brückentechnologie dar. Für alle, die ein Smartphone besitzen, ist der Zugang zum ÖPNV im gesamten Verbundgebiet – also auch für Fahrten von Gifhorn nach Braunschweig, Wolfsburg oder in den Harz – so einfach wie nie zuvor.
Häufige Fragen
Was ist der Hauptunterschied zwischen 'Tap in/Tap out' und der FAIRTIQ-App?
Der Kernunterschied liegt im verwendeten Medium und der Aktion des Nutzers. „Tap in/Tap out“ basiert auf dem physischen Kontakt einer Bank- oder ÖPNV-Karte mit einem Lesegerät und erfordert ein aktives „Tippen“ beim Ein- und Aussteigen. FAIRTIQ ist eine reine Smartphone-App („Check-in/Be-out“), bei der der Check-out-Vorgang sogar automatisch erfolgen kann, ohne dass der Nutzer aktiv werden muss.
Warum kann der VRB das 'Tap in/Tap out'-System nicht einfach sofort einführen?
Die Einführung scheitert derzeit an fehlenden, bundesweit einheitlichen technischen Standards. Eine Insellösung nur für den VRB würde zu Kompatibilitätsproblemen für Fahrgäste führen, die über die Verbundgrenzen hinaus reisen oder Verkehrsmittel verschiedener Unternehmen nutzen. Der VRB wartet daher auf die vom VDV definierten Standards, um eine zukunftssichere und kundenfreundliche Lösung zu gewährleisten.
Gilt die FAIRTIQ-App auch für Fahrten von Gifhorn nach Wolfsburg oder Braunschweig?
Ja, absolut. Die FAIRTIQ-App ist im gesamten Gebiet des Verkehrsverbunds Region Braunschweig (VRB) gültig. Sie können damit also nahtlos alle Busse und Bahnen für Fahrten innerhalb des Landkreises Gifhorn sowie in die umliegenden Städte wie Wolfsburg, Braunschweig oder Salzgitter nutzen und profitieren dabei stets von der automatischen Bestpreis-Berechnung.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Zukunft des Ticketkaufs im öffentlichen Nahverkehr digital und deutlich einfacher wird. Während das kartenbasierte „Tap in/Tap out“-System für den Landkreis Gifhorn noch Zukunftsmusik ist, die von nationalen Weichenstellungen abhängt, bietet der VRB mit der FAIRTIQ-App bereits heute eine intelligente und bequeme Lösung. Sie überbrückt die Wartezeit und zeigt, wohin die Reise geht: zu einer unkomplizierten und nutzerfreundlichen Mobilität für alle.

