Anhaltende Schneefälle, meterhohe Verwehungen und spiegelglatte Straßen – der vergangene Winter hat den Bewohnern des Landkreises Gifhorn und insbesondere den Einsatzkräften des Winterdienstes alles abverlangt. Die Stadtverwaltung hat nun eine beeindruckende Bilanz gezogen, die das Ausmaß der Herausforderung in Zahlen fasst und zeigt, wie die städtischen Betriebe die Situation gemeistert haben.

Ein Winter der Extreme: Die Bilanz in Zahlen

Die Saison 2025/2026 wird als einer der intensivsten Winter der letzten Jahre in die Geschichte der Stadt eingehen. Die Daten, die vom Abwasser- und Straßenreinigungsbetrieb (ASG) und dem Bauhof vorgelegt wurden, sprechen eine deutliche Sprache. Die Belastung für Mensch und Material war außergewöhnlich hoch, was sich vor allem in den geleisteten Arbeitsstunden und dem Verbrauch an Streumitteln widerspiegelt.

Einsatzstunden explodieren förmlich

Der wohl markanteste Indikator für die Intensität des Winters ist die Anzahl der geleisteten Einsatzstunden. Während der Winterdienst im Zeitraum vom 1. November bis zum 28. Februar in den Vorjahren deutlich weniger gefordert war, schnellten die Zahlen dieses Mal in die Höhe.

  • Winter 2025/2026: Exakt 1.831 Stunden und 13 Minuten
  • Winter 2024: Lediglich 493 Stunden und 5 Minuten
  • Winter 2023: 756 Stunden und 20 Minuten

Dieser Vergleich zeigt: Die Einsatzkräfte waren in der abgelaufenen Saison fast viermal so lange im Einsatz wie im milden Vorjahreswinter. Selbst im Vergleich zum ebenfalls anspruchsvolleren Winter 2023 haben sich die Stunden mehr als verdoppelt. Diese Zahlen verdeutlichen den unermüdlichen Dauereinsatz, der oft rund um die Uhr stattfand, um die Verkehrssicherheit in Gifhorn zu gewährleisten.

Streumittelverbrauch auf Rekordniveau

Passend zu den massiven Schneefällen und der anhaltenden Glättegefahr stieg auch der Verbrauch von Streusalz und Sand-Salz-Gemischen drastisch an. Die Lager mussten permanent gefüllt sein, um die Versorgungssicherheit zu garantieren.

  • In der Saison 2025/2026 wurden rund 775 Tonnen reines Streusalz und zusätzlich etwa 150 Tonnen eines Sand-Salz-Gemisches auf die Straßen und Wege gebracht.
  • Zum Vergleich: Im Winter 2024 lag der Gesamtverbrauch bei nur etwa 200 Tonnen, 2023 waren es rund 325 Tonnen.

Der Verbrauch hat sich im Vergleich zum Vorjahr also mehr als vervierfacht. Diese gewaltigen Mengen waren notwendig, um Hauptverkehrsstraßen, Buslinien und wichtige Zufahrten befahrbar zu halten.

Hintergrund: Was diesen Winter so außergewöhnlich machte

Die Ursache für diese Rekordzahlen waren die extremen Wetterbedingungen. Anders als in vielen Wintern zuvor gab es nicht nur einzelne Schneetage, sondern langanhaltende Kälteperioden mit wiederkehrenden, starken Schneefällen. Ein besonderes Problem stellten die massiven Schneeverwehungen dar, die durch starken Wind verursacht wurden. In einigen Bereichen türmte sich der Schnee so hoch auf, dass er die Räumschilder der kleineren Kleintraktoren überragte. Dies machte den Einsatz von schwererem Gerät erforderlich.

Eine besondere logistische Herausforderung war die Räumung der Gifhorner Fußgängerzone. Die Schneemassen konnten nicht einfach an den Rand geschoben werden, da dies die Zugänge zu den Geschäften blockiert hätte. Stattdessen musste der Schnee mit Radladern aufgenommen und aus dem Innenstadtbereich abtransportiert werden – ein zeit- und personalintensiver Vorgang, der die Leistungsfähigkeit der städtischen Betriebe auf die Probe stellte.

Organisation und Dank: Das Team hinter dem Erfolg

Trotz der enormen Belastungen zieht Hans-Oskar Baron, Betriebsleiter des ASG, eine positive Bilanz. „Dank ausreichender Ressourcen und der guten Organisation haben wir die Winterdienstsaison 2025/2026 erfolgreich bewältigt", erklärte er. Entscheidend sei gewesen, dass es keine längeren Ausfälle bei Fahrzeugen oder Personal gab und die Versorgung mit Streumitteln jederzeit sichergestellt war. Dieser Erfolg ist das Ergebnis sorgfältiger Planung und des außergewöhnlichen Engagements der Mitarbeiter.

Auch Bürgermeister Matthias Nerlich zeigte sich bei einem Besuch beim ASG tief beeindruckt von der Leistung der Teams. Er bedankte sich ausdrücklich für den außerordentlichen Einsatz der Mitarbeiter von ASG und Bauhof. „Der Winterdienst war top organisiert und ist top gelaufen“, so das lobende Fazit des Bürgermeisters. Dieses Lob gilt den Frauen und Männern, die bei Eis und Schnee mitten in der Nacht aufstanden, um für freie und sichere Wege für alle Bürgerinnen und Bürger zu sorgen.

Nach dem Winter ist vor dem Winter

Die Arbeit des Winterdienstes endet nicht mit dem letzten Schneefall. Wie Betriebsleiter Baron erläuterte, findet nach jeder Saison eine detaillierte Nachbesprechung statt. In diesem Prozess werden die Einsätze analysiert, Lob und Kritik aus der Bevölkerung ausgewertet und die gesamten Verfahrensabläufe auf den Prüfstand gestellt. Daraus resultieren konkrete Anpassungen für die nächste Saison: Reihenfolgen und Prioritäten bei der Räumung werden optimiert, Streupläne verfeinert und der Einsatz der verschiedenen Streumittel angepasst. „Die Anpassungen sind bereits vorbereitet“, versichert Baron. So stellt die Stadt sicher, auch für den nächsten Winter bestmöglich gerüstet zu sein.

Häufige Fragen zum Winterdienst in Gifhorn

Wer ist für die Räumung der Gehwege zuständig?

Während der städtische Winterdienst für die Fahrbahnen verantwortlich ist, liegt die Räum- und Streupflicht für Gehwege bei den jeweiligen Grundstückseigentümern. Diese müssen sicherstellen, dass die Gehwege vor ihrem Grundstück bei Schnee und Glätte gefahrlos begehbar sind. Diese Pflicht kann auch auf Mieter übertragen werden, wenn dies im Mietvertrag geregelt ist.

Nach welcher Priorität werden die Straßen in Gifhorn geräumt?

Die Räumung erfolgt nach einem festgelegten Prioritätenplan. Zuerst werden die verkehrswichtigen Hauptstraßen, Buslinien, Steigungen und Strecken zu wichtigen Einrichtungen wie Krankenhäusern oder Feuerwehrwachen geräumt. Erst danach folgen die Nebenstraßen und Wohngebiete. Bei extremen Wetterlagen kann es daher vorkommen, dass kleinere Straßen erst mit Verzögerung bedient werden können.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Winter 2025/2026 eine historische Herausforderung für den Gifhorner Winterdienst darstellte. Die beeindruckenden Zahlen belegen nicht nur die Härte des Winters, sondern vor allem die herausragende Leistung und die perfekte Organisation der städtischen Einsatzkräfte. Ihr unermüdlicher Einsatz hat dafür gesorgt, dass das öffentliche Leben in Gifhorn auch unter schwierigsten Bedingungen weiterlaufen konnte. Eine Leistung, die Anerkennung und Dank verdient.