Eine weitreichende Entscheidung der Stadt Gifhorn stellt zahlreiche Familien vor große Herausforderungen: Zum Schuljahr 2026/2027 sollen alle städtischen Hortangebote eingestellt werden. Inmitten dieser Umstrukturierung der lokalen Betreuungslandschaft erhebt der Caritasverband Gifhorn seine Stimme und kämpft leidenschaftlich für den Fortbestand seines St. Altfrid-Hortes am Pommernring, einer wichtigen Anlaufstelle für viele Grundschulkinder und ihre Eltern.
Die drohende Schließung und der Kampfgeist der Caritas
Die Ankündigung der Stadt, die kommunalen Horte zu schließen, markiert einen Wendepunkt in der Nachmittagsbetreuung für Schulkinder in Gifhorn. Während der Ausbau von Ganztagsschulen voranschreitet, befürchten viele, dass bewährte und geschätzte Betreuungsmodelle auf der Strecke bleiben. Der Caritasverband Gifhorn positioniert sich klar gegen diesen Trend und will eine Alternative erhalten. „Der St. Altfrid-Hort am Pommernring soll weiterhin für Schulkinder der Klassen 1 bis 4 ein Ort voller Leben, Lachen und Gemeinschaft bleiben“, betont Caritasvorstand Michael Gruber. Diese Aussage ist mehr als nur ein Wunsch; sie ist ein Versprechen an die Gemeinschaft und ein Aufruf zum Handeln.
Für die Caritas ist der Hort nicht nur eine Betreuungseinrichtung, sondern ein zentraler Baustein in der pädagogischen Begleitung von Kindern über den Schuleintritt hinaus. Gruber argumentiert, dass Horte eine einzigartige und pädagogisch besonders wertvolle Ergänzung zu den Ganztagsschulen darstellen, die für viele Familien unverzichtbar sei. Der Verband ist fest entschlossen, alles Notwendige zu tun, um das Angebot am Pommernring auch über das entscheidende Jahr 2026 hinaus zu sichern.
Hintergrund: Warum die Hort-Schließungen für Gifhorn so bedeutsam sind
Die Entscheidung der Stadt Gifhorn, ihre Hortangebote einzustellen, geschieht nicht im luftleeren Raum. Sie ist Teil einer bundesweiten Entwicklung, die den flächendeckenden Ausbau von Ganztagsschulen forciert. Ab August 2026 tritt schrittweise ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder in Kraft. Kommunen und Länder stehen unter dem Druck, entsprechende Kapazitäten zu schaffen. In diesem Zuge werden oft bestehende Strukturen wie Horte, die parallel zu Schulen agieren, zugunsten eines integrierten Ganztagsmodells an den Schulen selbst aufgegeben.
Für viele Kommunen erscheint dies als logischer und effizienter Schritt, um den neuen gesetzlichen Anforderungen gerecht zu werden. Doch Kritiker, darunter auch der Caritasverband, warnen vor dem Verlust der Vielfalt in der Betreuungslandschaft. Während Ganztagsschulen Bildung und Betreuung unter einem Dach vereinen, bieten Horte oft ein anderes pädagogisches Konzept. Sie sind räumlich von der Schule getrennt, was den Kindern einen klaren Wechsel zwischen Lern- und Freizeit ermöglicht. Die Atmosphäre ist oft familiärer, die Gruppen kleiner und die pädagogische Ausrichtung stärker auf soziale Entwicklung und Freizeitgestaltung fokussiert. Der Wegfall dieser Alternative bedeutet für Eltern in Gifhorn eine Einschränkung ihrer Wahlfreiheit und für viele Kinder den Verlust eines vertrauten und stabilen Umfelds.
Mehr als nur Betreuung: Der pädagogische Mehrwert des St. Altfrid-Hortes
Was genau macht den Hort nach Ansicht der Caritas so wertvoll? Es ist die Summe vieler kleiner, aber entscheidender Unterschiede zum schulischen Ganztag. Der St. Altfrid-Hort bietet ein Umfeld, das bewusst als Gegenpol zum strukturierten Schulalltag konzipiert ist. Hier stehen freies Spiel, kreative Entfaltung und soziale Interaktion im Vordergrund.
Einzigartige Vorteile für Kinder und Familien
Die Caritas hebt mehrere konkrete Punkte hervor, die den Hort auszeichnen:
- Besserer Personalschlüssel: Oft können sich in Horten weniger Betreuer um eine kleinere Gruppe von Kindern kümmern, was eine intensivere und individuellere Begleitung ermöglicht.
- Flexiblere Abholzeiten: Im Gegensatz zum oft starren Ende des Ganztagsschulbetriebs bieten Horte den Eltern mehr Flexibilität, was für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf entscheidend sein kann.
- Umfassendes Ferienprogramm: Der St. Altfrid-Hort bietet auch in den Schulferien eine verlässliche und abwechslungsreiche Betreuung, eine enorme Entlastung für berufstätige Eltern.
- Vertraute Strukturen: Für viele Kinder ist der Hort ein zweites Zuhause mit festen Bezugspersonen und Freundeskreisen, die über Jahre gewachsen sind.
Ein sicherer Hafen für Kinder mit besonderen Bedürfnissen
Besonders betont der Caritasverband die Bedeutung des Hortes für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf. In den kleineren, stabileren Gruppen des Hortes finden diese Kinder oft leichter Halt und Orientierung. Die pädagogischen Fachkräfte können gezielter auf ihre individuellen Bedürfnisse eingehen und ihnen die Unterstützung geben, die sie für eine positive Entwicklung benötigen. Der Verlust dieser spezialisierten Betreuungsform wäre für diese Kinder und ihre Familien ein besonders harter Schlag.
Ein Wettlauf gegen die Zeit: So können Familien und Bürger helfen
Der Fortbestand des St. Altfrid-Hortes hängt nun maßgeblich von der Unterstützung der Gifhorner Bürger ab. Die Caritas hat einen klaren Appell an die Gemeinschaft gerichtet, der auf zwei Säulen ruht: verbindliche Anmeldungen und finanzielle Unterstützung.
Anmeldung als klares Signal
Die wichtigste Voraussetzung für den Erhalt des Hortes ist der Nachweis eines klaren Bedarfs. Aus diesem Grund ruft die Caritas alle Familien, die auch im Schuljahr 2026/2027 eine Hortbetreuung für ihr Kind wünschen, dringend zur Anmeldung auf. Die Frist hierfür ist kurz: Anmeldungen müssen bis zum 10. März 2026 erfolgen. Jede einzelne Anmeldung ist ein starkes Votum für den Erhalt des Hortes und ein wichtiges Signal an die Entscheidungsträger.
Interessierte Familien finden das Anmeldeformular auf der Webseite der Kita unter www.kita-st-altfrid.de. Alternativ kann es persönlich im Pommernring 2 in Gifhorn abgeholt oder per E-Mail an hort@caritas-gifhorn.de angefordert werden.
Finanzielle Unterstützung für die Zukunft
Neben dem ideellen Zuspruch wird auch finanzielle Hilfe benötigt, um die Zukunft des Hortes langfristig zu sichern. „Um den Fortbestand des Hortes zu sichern, wird jede Unterstützung gebraucht“, erklärt Michael Gruber. Der Caritasverband hat ein Spendenkonto eingerichtet, um das Projekt zu fördern. Jeder Beitrag, ob groß oder klein, hilft dabei, die notwendigen finanziellen Rahmenbedingungen für den Weiterbetrieb zu schaffen.
Spenden sind unter folgender Bankverbindung möglich:
- Empfänger: Caritasverband Gifhorn
- Bank: Darlehnskasse Münster
- IBAN: DE61 4006 0265 0023 0105 00
Häufige Fragen
Warum werden die städtischen Horte in Gifhorn überhaupt geschlossen?
Die Schließung ist Teil einer strategischen Neuausrichtung der Kinderbetreuung. Mit dem ab 2026 geltenden Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder konzentrieren viele Kommunen, so auch Gifhorn, ihre Ressourcen auf den Ausbau von integrierten Ganztagsangeboten direkt an den Schulen. Bestehende Hortstrukturen werden in diesem Zuge oft als Doppelstrukturen angesehen und daher aufgegeben.
Was unterscheidet den Hort von einer Ganztagsschule?
Der Hauptunterschied liegt im Konzept und in der Organisation. Eine Ganztagsschule integriert Betreuung und Unterricht an einem Ort, oft mit einem festen Tagesablauf. Ein Hort ist eine separate Einrichtung, die den Kindern einen räumlichen und mentalen Abstand zum Schulalltag ermöglicht. Der Fokus liegt stärker auf Freizeit, sozialen Aktivitäten und individueller Entfaltung in einer oft familiäreren Atmosphäre mit mehr Flexibilität für die Eltern.
Bis wann muss ich mein Kind anmelden, um den Hort zu unterstützen?
Die entscheidende Frist für die Anmeldung zum Schuljahr 2026/2027 ist der 10. März 2026. Eine hohe Zahl an Anmeldungen bis zu diesem Datum ist die wichtigste Grundlage für die Argumentation der Caritas, den Hort weiterbetreiben zu können.
Die Zukunft des St. Altfrid-Hortes liegt nun in den Händen der Gifhorner Gemeinschaft. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob der Bedarf und die Unterstützung ausreichen, um diese wertvolle Einrichtung für die Kinder und Familien der Stadt zu erhalten. Der engagierte Kampf des Caritasverbandes macht deutlich, dass es um mehr geht als nur um Betreuungsplätze – es geht um die Vielfalt der pädagogischen Landschaft und die Wahlfreiheit für Familien in Gifhorn.

