Für viele Pioniere der Solarenergie im Landkreis Gifhorn, die vor rund zwei Jahrzehnten in eine Photovoltaikanlage investiert haben, steht eine entscheidende Wende bevor. Die staatlich garantierte Einspeisevergütung, die damals den Bau von Solaranlagen so attraktiv machte, läuft nach 20 Jahren aus. Dies wirft drängende Fragen auf: Was passiert mit der Anlage? Lohnt sich der Weiterbetrieb überhaupt noch? Die Antwort ist ein klares Ja – wenn man die Strategie ändert.
Hintergrund: Das Ende einer goldenen Ära für Solarstrom-Einspeiser
Anfang der 2000er-Jahre legte das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) den Grundstein für den Solarboom in Deutschland. Um den Ausbau von umweltfreundlicher Energie zu fördern, garantierte der Staat den Betreibern von Photovoltaikanlagen eine feste, hohe Vergütung für jede ins öffentliche Netz eingespeiste Kilowattstunde (kWh) Strom. Diese Förderung war auf 20 Jahre befristet. Für Anlagen, die beispielsweise im Jahr 2004 ans Netz gingen, endet diese Frist nun im Jahr 2024.
Das Problem: Die finanzielle Kluft zwischen der alten Förderung und der heutigen Realität ist gewaltig. Während frühe Anlagenbetreiber teilweise über 50 Cent pro kWh erhielten, fällt die Vergütung nach dem Förderende auf den sogenannten Börsenstrompreis. Dieser lag laut Experten im Durchschnitt bei nur noch rund 2,8 Cent pro kWh – wovon oft noch Verwaltungskosten abgezogen werden. In Deutschland sind schätzungsweise zwischen 500.000 und 800.000 Anlagen von diesem Förderende betroffen. Viele Betreiber im Raum Gifhorn und darüber hinaus werden von ihren Netzbetreibern oft nicht proaktiv über diese massive Veränderung informiert und stehen plötzlich vor einer unrentablen Situation.
Die neue Devise: Eigenverbrauch statt Volleinspeisung
Die reine Einspeisung des Solarstroms ins Netz ist unter den neuen Bedingungen wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll. Die laufenden Kosten für Wartung, Zählergebühren oder einen eventuell notwendigen Austausch des Wechselrichters übersteigen die mageren Einnahmen bei Weitem. Der Photovoltaik-Experte Holger Laudeley bringt den Paradigmenwechsel auf den Punkt: „Früher hat man das Geld mit der Einspeisung verdient, heute ist es der Eigenverbrauch.“
Der Schlüssel zur Rettung der alten Solaranlage liegt also darin, den selbst erzeugten Strom direkt im eigenen Haushalt zu nutzen. Anstatt teuren Strom vom Energieversorger für 35, 40 oder mehr Cent pro kWh zu kaufen, nutzt man den kostenlosen Strom vom eigenen Dach. Jede selbst verbrauchte Kilowattstunde ist somit eine direkte Ersparnis in Höhe des aktuellen Strompreises. Dies steigert die Wirtschaftlichkeit der Altanlage enorm und macht sie auch nach 20 Jahren zu einem wertvollen Gut.
Handlungsoptionen für betroffene Anlagenbetreiber in Gifhorn
Wer seine „Ü20-Anlage“ weiterhin profitabel betreiben möchte, hat mehrere Möglichkeiten. Die Entscheidung hängt vom Zustand der Anlage, dem eigenen Stromverbrauch und der Investitionsbereitschaft ab.
Option 1: Einfache Umstellung auf Eigenverbrauch
Die grundlegendste Maßnahme ist die technische Umstellung der Anlage von Volleinspeisung auf Eigenverbrauch. Hierfür muss in der Regel die Verschaltung im Zählerschrank angepasst und ein Zweirichtungszähler installiert werden, der sowohl den Netzbezug als auch die (geringe) Überschusseinspeisung misst. Der erzeugte Solarstrom fließt dann zuerst zu den Verbrauchern im Haus (Kühlschrank, Waschmaschine, etc.). Nur der überschüssige Strom, der nicht direkt verbraucht werden kann, wird noch ins Netz eingespeist.
Option 2: Nachrüstung eines Stromspeichers
Um den Eigenverbrauchsanteil deutlich zu erhöhen, ist die Installation eines Stromspeichers der nächste logische Schritt. Die Preise für Batteriespeicher sind in den letzten Jahren erheblich gesunken, während ihre Kapazität und Effizienz gestiegen sind. Ein Speicher ermöglicht es, den tagsüber erzeugten Solarstrom-Überschuss zu speichern und ihn abends, nachts oder an bewölkten Tagen zu nutzen. Dies erhöht die Energieunabhängigkeit und maximiert die Ersparnis.
- Vorteile eines Speichers:
- Nutzung von Solarstrom rund um die Uhr.
- Deutliche Reduzierung der Stromrechnung.
- Erhöhung der Autarkie vom öffentlichen Stromnetz.
- Sinnvolle Ergänzung für Verbraucher wie Wärmepumpen oder Elektroautos.
Die Nachrüstung kann oft als AC-gekoppeltes System erfolgen, das parallel zur bestehenden Anlage installiert wird, ohne diese grundlegend verändern zu müssen.
Option 3: Umfassende Modernisierung und Erweiterung
Wenn der alte Wechselrichter nach 20 Jahren ohnehin an seine Lebensgrenze stößt, kann eine umfassende Modernisierung sinnvoll sein. Dabei wird der alte Wechselrichter durch ein modernes Hybridgerät ersetzt, das den Anschluss von Solarmodulen und einem Batteriespeicher direkt ermöglicht. Dies ist oft effizienter als eine separate Nachrüstlösung.
In diesem Zuge kann man auch über eine sogenannte Nulleinspeisung nachdenken. Dabei wird die Anlage so konfiguriert, dass gar kein Strom mehr ins öffentliche Netz fließt. Überschüsse werden entweder gespeichert oder die Leistung der Anlage wird intelligent gedrosselt. Dies kann bürokratische Hürden vereinfachen. Zudem bietet eine solche Modernisierung oft die Möglichkeit einer Notstromversorgung, die bei einem Stromausfall im öffentlichen Netz Teile des Hauses weiterversorgt. Auch die Erweiterung der Anlage um neue, leistungsfähigere Solarmodule ist im Rahmen einer solchen Modernisierung denkbar.
Häufige Fragen
Muss ich meine alte Solaranlage stilllegen, wenn die EEG-Förderung ausläuft?
Nein, eine Stilllegung ist nicht erforderlich. Technisch darf die Anlage weiterbetrieben werden. Ohne eine Umstellung auf Eigenverbrauch ist der Betrieb jedoch in den allermeisten Fällen nicht mehr wirtschaftlich, da die Einnahmen aus der Einspeisung die Betriebskosten nicht mehr decken.
Was kostet die Nachrüstung eines Stromspeichers für meine Anlage in Gifhorn?
Die Kosten hängen stark von der gewünschten Speicherkapazität ab. Für ein typisches Einfamilienhaus kann man mit Kosten zwischen 5.000 und 12.000 Euro für einen qualitativ hochwertigen Speicher inklusive Installation rechnen. Es ist ratsam, Angebote von lokalen Fachbetrieben aus dem Landkreis Gifhorn einzuholen, um eine passgenaue Lösung zu finden.
Informiert mich mein Netzbetreiber automatisch über das Ende der Förderung?
Leider nicht immer. Experten berichten, dass viele Anlagenbetreiber keine oder nur sehr späte Informationen von ihrem Netzbetreiber erhalten. Es ist daher entscheidend, dass Sie als Betreiber selbst aktiv werden. Prüfen Sie das Inbetriebnahmedatum Ihrer Anlage und planen Sie die notwendigen Schritte rechtzeitig vor Ablauf der 20-Jahres-Frist.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Ende der EEG-Förderung kein Grund zur Panik ist, sondern eine Chance zur Neuausrichtung. Für Solaranlagenbesitzer im Landkreis Gifhorn markiert es den Übergang vom reinen Stromverkäufer zum intelligenten Energiemanager im eigenen Haus. Durch die konsequente Umstellung auf Eigenverbrauch, idealerweise ergänzt durch einen modernen Stromspeicher, bleibt die Photovoltaikanlage auch nach zwei Jahrzehnten eine lohnende Investition in eine nachhaltige und kostengünstige Energieversorgung.

