Während viele von uns ihre täglichen 10.000 Schritte anstreben, hat sich ein Mann aus Südniedersachsen ein schier unglaubliches Ziel gesetzt. Dominik Singer, ein 43-jähriger Garten- und Landschaftsbauer aus Osterode, tauscht seine Arbeitsstiefel gegen Laufschuhe, um eine Distanz zurückzulegen, die die Vorstellungskraft sprengt: 6.500 Kilometer von Kaolack im Senegal bis in seine Heimat im Landkreis Göttingen. Ein Abenteuer, das nicht nur körperliche und mentale Grenzen auslotet, sondern vor allem zwei wohltätigen Zwecken dient.
Ein Marathon pro Tag: Die unglaubliche Reise durch Wüste und Gebirge
Die Dimensionen dieses Vorhabens sind gewaltig. Gemeinsam mit einem kleinen Team, bestehend aus zwei weiteren Männern und einer Frau, plant Singer, täglich eine Strecke von bis zu 100 Kilometern zurückzulegen. Das entspricht mehr als zwei Marathons – jeden einzelnen Tag, über einen Zeitraum von rund zehn Wochen. Mit einer geplanten Geschwindigkeit von sieben bis acht Kilometern pro Stunde wird die Gruppe die westafrikanische Atlantikküste entlangwandern, eine Route, die sie durch atemberaubende, aber auch extrem fordernde Landschaften führt.
Die Expedition startet im Senegal und folgt einem Pfad nach Norden durch Mauretanien, die Westsahara und Marokko. Dabei müssen die Läufer nicht nur die unerbittliche Hitze und Weite der Sahara durchqueren, sondern auch das imposante Atlas-Gebirge überwinden. Nach der Überquerung der Straße von Gibraltar mit einem Schiff führt die Route weiter durch Spanien und Frankreich, bis sie schließlich Mitte Juni wieder deutschen Boden unter den Füßen haben und in Osterode ankommen wollen.
Die logistische und körperliche Herausforderung
Ein solches Unterfangen erfordert eine präzise Planung und eine außergewöhnliche Konstitution. Jeder Teilnehmer trägt ein Gepäck von rund 18,5 Kilogramm, das alles Notwendige für das Überleben in der Wildnis enthält. Um die Last auf den anspruchsvollsten Etappen zu erleichtern, wurde für den Abschnitt im Senegal bereits ein Begleitfahrzeug organisiert. Für die weiteren Länder steht diese Organisation noch aus, was eine zusätzliche logistische Hürde darstellt. Die Vorbereitung von Dominik Singer selbst war unkonventionell. Statt monatelangem, intensivem Lauftraining setzte er auf mentale Stärke und eine pragmatische Herangehensweise: „Dafür habe ich ja jetzt zehn Wochen Zeit“, erklärte er in einem Interview. Um für die Strapazen gewappnet zu sein und genügend Energiereserven zu haben, hat er sich im Vorfeld bewusst sieben Kilogramm an Gewicht zugelegt. Er rechnet damit, auf der Reise zwischen 12 und 14 Kilogramm zu verlieren – ein deutliches Zeichen für die extreme körperliche Belastung.
Hintergrund: Mehr als nur ein Lauf – Die Mission hinter den Kilometern
Für Dominik Singer ist dies nicht die erste Expedition. Er hat bereits Abenteuer in Pakistan und anderen Teilen Afrikas erlebt. Doch dieser Lauf, so sagt er selbst, „wird für mich die längste Expedition“. Was treibt einen Menschen an, sich einer solchen Tortur auszusetzen? Die Antwort liegt in dem Wunsch, Gutes zu tun. Der gesamte Lauf ist eine Spendenaktion für zwei Herzensprojekte.
Die gesammelten Gelder fließen zu gleichen Teilen an zwei Organisationen:
- Ein Schulprojekt im Senegal: Dieses Projekt wird von Osterode aus unterstützt und zielt darauf ab, Kindern vor Ort bessere Bildungschancen zu ermöglichen. Die Läufer sehen also direkt zu Beginn ihrer Reise, wofür sie sich einsetzen.
- Das Kinder- und Jugendhospiz Sternenlichter in Göttingen: Diese Einrichtung begleitet lebensverkürzend erkrankte Kinder, Jugendliche und ihre Familien in einer schweren Zeit. Die Spenden helfen, die wichtige Arbeit des Hospizes zu sichern.
Ein entscheidender Punkt ist, dass Dominik Singer die gesamten Kosten der Expedition aus eigener Tasche finanziert. Das bedeutet, dass jeder gespendete Euro direkt und ohne Abzüge bei den beiden Projekten ankommt. Einige lokale Sponsoren konnten bereits gewonnen werden, doch das Team hofft auf breite Unterstützung aus der gesamten Region, um eine möglichst hohe Spendensumme zu erzielen.
Ausrüstung, mentale Stärke und ein Aufruf zur Teilnahme
Bei einer Reise unter solch extremen Bedingungen ist die richtige Ausrüstung überlebenswichtig. Komfort ist dabei ein Fremdwort. Geschlafen wird in Zelten, und selbst das Toilettenpapier ist blattweise abgezählt. Zu den wichtigsten Gegenständen im Gepäck gehören:
- Drei Paar Laufschuhe: Nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil Singer davon ausgeht, die Schuhe buchstäblich bis zur Sohle abzulaufen.
- Eine hochwertige Sonnenbrille: Sie schützt nicht nur vor der intensiven UV-Strahlung, sondern auch vor starkem Wind und dem feinen Wüstensand.
- Eine Mundharmonika: Für Singer ein unverzichtbares Instrument, um auf dem langen und oft einsamen Weg für gute Laune im Team zu sorgen.
Ein besonderer Tipp des erfahrenen Abenteurers gegen Hitze und Durst ist, täglich einen Liter heißen Tee zu trinken. „Der kühlt von innen“, erklärt er. Es ist dieses Wissen um die kleinen, aber entscheidenden Details, das den Unterschied machen kann. Doch über aller physischen Vorbereitung und Ausrüstung steht die mentale Kraft. Die Fähigkeit, Schmerzen zu ertragen, Monotonie zu überwinden und sich jeden Tag aufs Neue zu motivieren, ist der wahre Schlüssel zum Erfolg.
Einladung an die Gemeinschaft
Obwohl die Reise in Osterode endet, ist die Inspiration und der Aufruf zur Unterstützung für den gesamten südniedersächsischen Raum, einschließlich des Landkreises Gifhorn, von Bedeutung. Dominik Singer und sein Team hoffen nicht nur auf finanzielle Spenden. Sie haben auch einen offenen Aufruf gestartet: „Es wäre schön, wenn weitere Menschen uns immer wieder ein Stück begleiten, ob einen Kilometer oder eben mehr.“ Diese Einladung gilt insbesondere für die letzten Etappen der Reise in Deutschland. Es ist eine Chance für Laufbegeisterte und Unterstützer aus der Region, Teil dieses außergewöhnlichen Projekts zu werden und die Läufer auf den finalen Kilometern moralisch zu unterstützen.
Häufige Fragen
Wie lange wird die Expedition voraussichtlich dauern?
Das Team plant, die 6.500 Kilometer lange Strecke in etwa zehn Wochen zu bewältigen. Die geplante Ankunft in Osterode ist Mitte Juni.
Wofür genau werden die Spenden verwendet?
Die Spenden werden zu 50 % an ein Schulprojekt im Senegal und zu 50 % an das Kinder- und Jugendhospiz Sternenlichter in Göttingen verteilt. Da der Initiator die Expeditionskosten selbst trägt, kommen alle Spenden zu 100 % den beiden wohltätigen Zwecken zugute.
Kann man die Reise online verfolgen?
Informationen über den Fortschritt der Expedition und Möglichkeiten zur Spende werden voraussichtlich über die Kanäle der unterstützenden Organisationen und lokale Medien geteilt. Interessierte sollten nach dem Projekt „Lauf von Senegal nach Osterode“ oder dem Namen Dominik Singer suchen, um auf dem Laufenden zu bleiben.
Die Reise von Dominik Singer ist mehr als nur eine sportliche Grenzerfahrung. Es ist ein beeindruckendes Zeugnis für menschliche Willenskraft und den Wunsch, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen. Ein Abenteuer, das in der Ferne beginnt, aber seine Wurzeln und sein Ziel fest in unserer niedersächsischen Heimat hat und eine Inspiration für uns alle sein kann.

