Der Traum vom europäischen Thron ist für die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg auf dramatische Weise geplatzt. In einem packenden Viertelfinal-Rückspiel der UEFA Women's Champions League unterlagen die „Wölfinnen“ bei Olympique Lyon nach Verlängerung mit 0:4 und schieden aus dem Wettbewerb aus. Trotz eines unbändigen Kampfgeistes und einer heroischen Abwehrschlacht über 90 Minuten mussten sich die Niedersächsinnen der erdrückenden Überlegenheit des französischen Serienmeisters letztlich beugen.
Ein Abwehrbollwerk unter Dauerfeuer
Von der ersten Sekunde an war die Marschroute im Groupama Stadium klar: Olympique Lyon, angestachelt durch die Hinspielniederlage, startete einen wütenden Sturmlauf auf das Tor der Wolfsburgerinnen. Das Team um die ehemalige VfL-Spielerin Jule Brand setzte die Gäste mit einem extrem hohen Pressing unter permanenten Druck. Für die Mannschaft von Trainer Stephan Lerch gab es kaum einen Moment zum Durchatmen, da Lyon früh Bälle eroberte und ein beeindruckendes Powerplay aufzog. Die „Wölfinnen“ sahen sich in die eigene Hälfte gedrängt und kämpften verbissen darum, die Angriffe der Französinnen abzuwehren.
Früher Rückstand und Lyons Dominanz
Die Überlegenheit der Gastgeberinnen schlug sich bereits nach 16 Minuten im Ergebnis nieder. Nach einem Ballverlust im eigenen Strafraum landete der Ball bei Lily Yohannes, deren Schuss unglücklich von Janina Minge abgefälscht wurde und unhaltbar für Torhüterin Stina Johannes im Netz einschlug. Dieser frühe Treffer egalisierte den Vorsprung der Wolfsburgerinnen aus dem Hinspiel und beflügelte Lyon nur noch mehr. Angriffswelle um Angriffswelle rollte auf das VfL-Tor zu. Die Statistik zur Halbzeitpause sprach Bände: 17:0 Torschüsse für Lyon verdeutlichten die Einseitigkeit der Partie. Dass es nur 0:1 stand, war der disziplinierten und aufopferungsvollen Defensivarbeit sowie einer starken Stina Johannes im Tor zu verdanken.
Die eine Chance zur Sensation
Auch nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild kaum. Wolfsburg verteidigte mit Mann und Maus, während Lyon unermüdlich anrannte, aber im Abschluss oft die letzte Präzision vermissen ließ oder an der Wolfsburger Abwehr scheiterte. Eigene Offensivaktionen des VfL blieben eine absolute Seltenheit. Doch in der 78. Minute bot sich plötzlich die goldene Gelegenheit, den Spielverlauf auf den Kopf zu stellen. Nach einem der wenigen Konter tauchte Janou Levels frei vor Lyons Torhüterin Christiane Endler auf, konnte die herausstürzende Deutsch-Chilenin jedoch nicht überwinden. Es war die einzige nennenswerte Torchance der Niedersächsinnen in der regulären Spielzeit, die den Einzug ins Halbfinale hätte bedeuten können.
Die Entscheidung in der Verlängerung
Dass die „Wölfinnen“ sich überhaupt in die Verlängerung retten konnten, war angesichts des Spielverlaufs bereits ein Teilerfolg. Doch der enorme Kraftaufwand der regulären 90 Minuten hatte Spuren hinterlassen. Die Beine wurden schwerer, die Konzentration ließ nach. Zunächst hatte der VfL noch Glück, als ein Treffer von Marie-Antoinette Katoto wegen einer Abseitsstellung aberkannt wurde (100.). Doch dann brach der Widerstand. Ein Doppelschlag innerhalb weniger Minuten entschied die Partie endgültig.
- 102. Minute: Melchie Dumornay trifft nach einer Ecke zur Führung für Lyon.
- 105.+2 Minute: Damaris Egurrola erhöht ebenfalls nach einem Eckball auf 3:0 aus Sicht der Gastgeberinnen.
Beide Treffer fielen nach Standardsituationen, bei denen die Zuordnung in der Wolfsburger Defensive nicht mehr stimmte. Mit diesem Doppelschlag war die Moral gebrochen. Die Wolfsburgerinnen versuchten zwar noch einmal alles, konnten aber keine Gefahr mehr erzeugen. Den Schlusspunkt setzte Tabitha Chawinga in der 119. Minute mit einem Solo zum 4:0-Endstand, der das Ausscheiden der tapfer kämpfenden Niedersächsinnen besiegelte.
Hintergrund
Das Ausscheiden im Viertelfinale der Champions League ist für den VfL Wolfsburg, einen der erfolgreichsten Vereine im europäischen Frauenfußball, eine herbe Enttäuschung. Der Klub, der für viele Fans im Landkreis Gifhorn und der gesamten Region eine sportliche Heimat darstellt, hatte sich in den vergangenen Jahren als feste Größe in der europäischen Spitze etabliert. Die Champions League ist nicht nur sportlich, sondern auch finanziell und für das Prestige des Vereins von enormer Bedeutung. Der Traum, den Titel nach 2013 und 2014 wieder nach Niedersachsen zu holen, muss nun für mindestens ein weiteres Jahr begraben werden. Das Duell gegen Olympique Lyon gilt als Klassiker im Frauenfußball – beide Teams haben den Wettbewerb in den letzten zehn Jahren dominiert und standen sich mehrfach in entscheidenden Spielen gegenüber. Dieses erneute Aufeinandertreffen war daher von Beginn an mit großer Spannung und hohen Erwartungen verbunden.
Stimmen zum Spiel: Zwischen Enttäuschung und Stolz
Trotz des bitteren Ergebnisses überwog bei den Beteiligten der Stolz auf die gezeigte Leistung. „Wir haben einen absoluten Fight abgeliefert“, resümierte Nationalspielerin Svenja Huth. „Dann ist es bitter, in der Verlängerung den entscheidenden Schlag zu bekommen.“ Auch Trainer Stephan Lerch zollte seinem Team Respekt: „Wir wussten, dass es schwierig wird, dass dieser Sturm auf uns zukommt und wir auch ein bisschen Glück brauchen.“ Seine Mannschaft habe „das Herz auf dem Platz gelassen“ und könne „erhobenen Hauptes vom Platz“ gehen. Svenja Huth ergänzte, dass sich das Team „gut auf internationaler Bühne präsentiert“ habe und der anfängliche Frust bald dem Stolz weichen werde.
Häufige Fragen
Was bedeutet dieses Ausscheiden für den Rest der Saison des VfL Wolfsburg?
Mit dem Ausscheiden aus der Champions League können sich die „Wölfinnen“ nun voll auf die nationalen Wettbewerbe konzentrieren. In der Frauen-Bundesliga und im DFB-Pokal kämpft das Team weiterhin um die Titel und hat gute Chancen, die Saison mit Trophäen abzuschließen.
Wie geht es in der Champions League nun weiter?
Olympique Lyon trifft im Halbfinale auf den Arsenal WFC. Im zweiten Halbfinale kommt es zum Duell zwischen dem deutschen Meister FC Bayern München und dem FC Barcelona. Die Halbfinalspiele finden Ende April und Anfang Mai statt.
Am Ende bleibt für die Fans des VfL Wolfsburg aus Gifhorn und der gesamten Region die Erkenntnis, dass Kampfgeist und Leidenschaft an diesem Abend nicht ausreichten, um die spielerische Klasse von Olympique Lyon zu bezwingen. Der Traum vom europäischen Gipfel ist vorbei, doch die aufopferungsvolle Leistung in einem denkwürdigen Spiel wird in Erinnerung bleiben und gibt Hoffnung für die verbleibenden Aufgaben in dieser Saison.

