Ein schriller, unaufhörlicher Piepton durchbrach am Freitagmittag die Ruhe in einem Wohngebiet in Rühen und löste eine Kette von Sicherheitsmaßnahmen aus. Ein ausgelöster Gaswarnmelder in einem Zweiparteienhaus am Heinrich-Zille-Ring führte zu einem Großeinsatz, der die Straße kurzzeitig lahmlegte und bei Anwohnern für Anspannung sorgte. Doch am Ende des rund 45-minütigen Einsatzes stand eine überraschende Erkenntnis.
Großaufgebot am Heinrich-Zille-Ring
Gegen 12:45 Uhr ging der Notruf bei der Leitstelle ein. Die Bewohner eines Hauses im Heinrich-Zille-Ring hatten den Alarm ihres Gaswarnmelders im Keller bemerkt und handelten absolut vorbildlich: Sie verließen umgehend das Gebäude und alarmierten die Feuerwehr. Aufgrund der potenziellen Gefahr durch austretendes Gas wurde ein entsprechender Alarm ausgelöst, der ein beachtliches Aufgebot an Rettungskräften auf den Plan rief.
Unter der Leitung von Einsatzleiter Nils Jungermann trafen die Feuerwehren aus Rühen, Brechtorf und Eischott rasch am Einsatzort ein. Insgesamt waren rund 30 Einsatzkräfte mit sieben Fahrzeugen vor Ort, um für den Ernstfall gerüstet zu sein. Zur Eigensicherung der Einsatzkräfte wurde zudem ein Rettungswagen aus Brome alarmiert. Als erste Sicherheitsmaßnahme wurde der betroffene Bereich des Heinrich-Zille-Rings für den Verkehr und für Fußgänger vollständig gesperrt, um jegliches Risiko für die Öffentlichkeit auszuschließen.
Hintergrund
Ein Alarm wegen eines möglichen Gasaustritts wird von den Feuerwehren im Landkreis Gifhorn mit höchster Priorität behandelt. Die Gefahr, die von Erdgas oder auch Kohlenmonoxid ausgeht, ist immens und darf keinesfalls unterschätzt werden. Erdgas ist hochentzündlich und kann in Verbindung mit Sauerstoff ein explosives Gemisch bilden. Ein Funke, etwa durch einen Lichtschalter oder ein elektrisches Gerät, kann dann eine verheerende Explosion auslösen. Kohlenmonoxid (CO) hingegen ist ein geruchloses und unsichtbares Atemgift, das bei defekten Heizungsanlagen entstehen und innerhalb kürzester Zeit tödlich sein kann.
Aus diesem Grund ist das Vorgehen der Einsatzkräfte streng geregelt. Die sofortige Evakuierung des betroffenen Gebäudes und die weiträumige Absperrung sind Standardprozeduren, um Menschenleben zu schützen. Das richtige Verhalten der Bewohner in Rühen – das Haus sofort zu verlassen und von draußen den Notruf zu wählen – wird von Experten immer wieder als entscheidend für die eigene Sicherheit betont. Es zeigt, dass die Aufklärung über die Gefahren Früchte trägt.
Entwarnung nach professioneller Prüfung
Trotz des schrillenden Alarms stellten die ersten Einsatzkräfte der Feuerwehr Rühen vor Ort eine wichtige Tatsache fest: Es war keinerlei Gasgeruch wahrnehmbar. Erdgas wird vom Versorger mit einem markanten Duftstoff (Odorierung) versetzt, damit es auch in kleinsten Konzentrationen von der menschlichen Nase wahrgenommen werden kann. Das Fehlen dieses Geruchs war ein erstes Indiz, dass die Lage möglicherweise weniger dramatisch war als zunächst befürchtet.
Um absolute Sicherheit zu erlangen, wurden Spezialisten nachalarmiert. Ein Messtrupp der Feuerwehr Brome, ausgerüstet mit speziellen Gasmessgeräten, sowie ein Mitarbeiter des zuständigen Gasversorgers führten unabhängig voneinander Messungen im Gebäude durch. Beide Messungen kamen zum selben, erlösenden Ergebnis: Es konnte keine Gaskonzentration in der Luft nachgewiesen werden.
Mögliche Ursachen für den Fehlalarm
Nachdem die Gefahr eines Gasaustritts ausgeschlossen werden konnte, richtete sich der Fokus auf die Ursache des Alarms. Mehrere Szenarien sind hier denkbar:
- Technischer Defekt: Der Gaswarnmelder selbst könnte einen technischen Defekt aufweisen und fälschlicherweise ausgelöst haben. Wie jedes technische Gerät haben auch diese Melder eine begrenzte Lebensdauer.
- Andere Gase oder Dämpfe: Manche Sensoren können auch auf andere Stoffe in der Luft reagieren, beispielsweise auf Dämpfe von Reinigungsmitteln, Lacken oder anderen chemischen Substanzen.
- Problem mit der Heizungsanlage: Obwohl kein Gas austrat, könnte eine Fehlfunktion der Heizungsanlage den Alarm ausgelöst haben. Aus diesem Grund wurde den Bewohnern dringend empfohlen, die Anlage zeitnah von einer Fachfirma überprüfen zu lassen, um zukünftige Probleme auszuschließen.
Nachdem die Entwarnung feststand, konnten Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei den Einsatz nach etwa 45 Minuten beenden und die Straßensperrung wieder aufheben. Erfreulicherweise entstand durch den Einsatz kein Schaden am Gebäude. Michael Gose, Pressesprecher der Kreisfeuerwehr Gifhorn, lobte das besonnene Verhalten der Bewohner und die reibungslose Zusammenarbeit der verschiedenen Wehren.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen einem Gasmelder und einem Rauchmelder?
Ein Rauchmelder reagiert auf Rauchpartikel in der Luft und ist darauf ausgelegt, vor Bränden zu warnen. Er wird üblicherweise an der Decke montiert, da Rauch nach oben steigt. Ein Gasmelder hingegen misst die Konzentration bestimmter Gase in der Luft. Melder für Erdgas werden nahe der Decke montiert, da Erdgas leichter als Luft ist. Melder für Propan oder Kohlenmonoxid (CO) werden in Bodennähe angebracht, da diese Gase schwerer als Luft sind oder sich gleichmäßig im Raum verteilen.
Wer trägt die Kosten für einen solchen Feuerwehreinsatz bei einem Fehlalarm?
Grundsätzlich sind Einsätze der Feuerwehr zur Abwehr von Gefahren für die Allgemeinheit kostenfrei. Wenn ein Bürger in gutem Glauben einen Notruf absetzt, weil er eine Gefahr vermutet – wie hier durch einen piependen Gasmelder –, entstehen ihm keine Kosten, auch wenn es sich als Fehlalarm herausstellt. Kostenpflichtig wird ein Einsatz in der Regel nur bei vorsätzlicher Falschalarmierung oder grober Fahrlässigkeit.
Warum wird bei einem solchen Verdacht sofort eine ganze Straße gesperrt?
Die Sperrung dient dem Schutz der Anwohner und der Einsatzkräfte. Bei einem echten Gasaustritt besteht akute Explosionsgefahr. Ein vorbeifahrendes Auto, eine Zigarette oder sogar ein Funke von einem elektrischen Gerät könnten eine Katastrophe auslösen. Durch die Absperrung wird ein Sicherheitsbereich geschaffen, in dem die Einsatzkräfte ungestört und sicher arbeiten können, um die Lage zu erkunden und die Gefahr zu beseitigen.
Der Vorfall in Rühen endet somit glimpflich und dient als wichtige Erinnerung an die Bedeutung von funktionierenden Warnmeldern und dem richtigen Verhalten im Notfall. Er unterstreicht eindrucksvoll die hohe Professionalität und schnelle Reaktionsfähigkeit der Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis Gifhorn, die rund um die Uhr für die Sicherheit der Bürger im Einsatz sind.

