Ein emotionaler Abschied nach 14 Jahren

Es war ein Moment, der die Dimensionen ihrer Karriere verdeutlichte: Als Alexandra Popp ihre letzte Pressekonferenz in Wolfsburg gab, drängten sich 26 Journalisten und fünf Kamerateams in den Raum. 14 Jahre zuvor, bei ihrem Wechsel vom FCR Duisburg zum VfL, reichte noch eine schlichte, neunzeilige Pressemitteilung. „Ein Stück weit berührt mich das“, gestand die 35-Jährige. „Dieser Abschied ist nicht leicht.“

Die Bilanz ihrer Zeit in Niedersachsen ist beeindruckend: Sieben deutsche Meisterschaften, elf DFB-Pokal-Endspiele und zwei Champions-League-Titel stehen zu Buche. Doch für Popp ist der Wechsel zu Borussia Dortmund keine Entscheidung gegen Wolfsburg, sondern eine Herzensangelegenheit. „Ich hatte einen sehr guten Vertrag vorliegen, aber ich hatte Angst, die Chance zu verpassen, noch einmal für den BVB zu spielen“, erklärte die gebürtige Ruhrgebietlerin, die seit Kindertagen Fan der Schwarz-Gelben ist.

Hintergrund

Der Wechsel zum BVB, der aktuell noch um den Aufstieg in die 2. Bundesliga kämpft, markiert für Popp eine Rückkehr in die Heimat. Doch ihr Blick reicht weit über den eigenen Transfer hinaus. Popp warnt eindringlich vor einer Stagnation im deutschen Frauenfußball. Während Vereine wie der VfL Wolfsburg international zunehmend gegen Schwergewichte wie den FC Barcelona oder den FC Arsenal das Nachsehen haben, wandern deutsche Top-Talente wie Jule Brandt oder Lea Schüller ins Ausland ab. Für Popp ist klar: Die Infrastruktur und die finanzielle Ausstattung in Deutschland müssen sich dringend verbessern, um den Anschluss an die europäische Spitze nicht endgültig zu verlieren.

Ein letztes Ziel und eine neue Mission

Bevor das Kapitel Dortmund beginnt, hat Popp noch eine Mission in Wolfsburg: „Es würde mir extrem viel bedeuten, den Pokal nochmal nach Wolfsburg zurückzuholen.“ Trotz eines Muskelfaserrisses in der Wade kämpft sie sich durch die Reha, um im Finale am 14. Mai gegen den FC Bayern München noch einmal alles zu geben. Es wäre der krönende Abschluss einer Ära.

Doch auch nach ihrer aktiven Zeit als Spielerin – ihr Vertrag in Dortmund läuft bis 2029 – bleibt Popp eine Schlüsselfigur. Ob beim DFB, in Dortmund oder in Wolfsburg: Die Türen für eine Managementkarriere stehen ihr weit offen. Als „Gesicht des deutschen Frauenfußballs“ wird sie die Entwicklung der Branche maßgeblich mitgestalten müssen. Ihr Wechsel zum BVB ist dabei mehr als nur ein sportlicher Transfer; er ist ein Signal für die wachsende Strahlkraft der Traditionsvereine im Frauenfußball. „Besser spät als nie“, kommentiert Popp die Bemühungen von Clubs wie Dortmund, Schalke oder Stuttgart, den Sport ernsthaft voranzutreiben. Für den deutschen Fußball bleibt zu hoffen, dass ihr Appell an die Vereine, endlich „verdammt noch mal etwas zu tun“, Gehör findet.