Die Stille des frühen Samstagmorgens wurde in Gifhorn jäh zerrissen, als lodernde Flammen aus einem Mehrfamilienhaus in der Straße „Alte Riede“ schlugen. Ein Großaufgebot von Feuerwehr und Polizei rückte aus, um einen der schwersten Brände der jüngeren Vergangenheit in der Kreisstadt zu bekämpfen. Obwohl das Gebäude nun unbewohnbar ist und ein immenser Sachschaden entstand, grenzt es an ein Wunder, dass alle zehn Bewohner, darunter zwei Kinder, dem Flammeninferno unverletzt entkamen.
Der Großeinsatz in den frühen Morgenstunden
Der Alarm ging um exakt 5:28 Uhr bei der Leitstelle ein. Die erste Meldung war dramatisch: Brand in einem Mehrfamilienhaus, es sollten sich noch Personen im Gebäude befinden. Für die Einsatzkräfte der Ortsfeuerwehren Gifhorn und Wilsche, die als erste am Einsatzort eintrafen, begann ein Wettlauf gegen die Zeit. Ihnen bot sich ein erschreckendes Bild: Ein Balkon des vierstöckigen Gebäudes stand bereits in Vollbrand. Die Flammen hatten sich mit rasender Geschwindigkeit über die Fassade nach oben gefressen und bereits auf den Dachstuhl übergegriffen. Die Hitzeentwicklung war enorm und die Rauchsäule weithin sichtbar.
Die Einsatzleitung erkannte sofort den Ernst der Lage und forderte umgehend Verstärkung an. Die Ortsfeuerwehren Gamsen und Neubokel wurden nachalarmiert, um den massiven Löschangriff zu unterstützen. Insgesamt waren schließlich rund 75 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienst und dem Deutschen Roten Kreuz vor Ort, um die Katastrophe zu bewältigen.
Rettung und Evakuierung: Das Glück im Unglück
Die größte Sorge der ersten Minuten galt den Bewohnern. Die anfängliche Befürchtung, dass Menschen in den Flammen eingeschlossen sein könnten, bewahrheitete sich glücklicherweise nicht. Wie sich herausstellte, hatten sich alle zehn Bewohner – acht Erwachsene und zwei Kinder – sowie eine Katze bereits vor dem Eintreffen der Feuerwehr selbstständig ins Freie retten können. Die Erleichterung unter den Helfern war groß, doch die Situation vor Ort blieb unübersichtlich. Zahlreiche Schaulustige hatten sich versammelt, was die Überprüfung der Vollständigkeit der Bewohner zunächst erschwerte.
Unterbringung der Betroffenen
Nachdem feststand, dass niemand verletzt wurde, stand die Frage der Unterbringung im Raum. Das Gebäude war durch Feuer, Rauch und Löschwasser komplett zerstört und auf unbestimmte Zeit unbewohnbar. Ein Großteil der betroffenen Familien fand schnell Unterschlupf bei Verwandten und Freunden. Für vier Erwachsene, die keine andere Möglichkeit hatten, organisierte die Stadt Gifhorn umgehend eine Notunterkunft. Dieser schnelle und unbürokratische Beistand zeigt den Zusammenhalt in der Gemeinschaft in solch schweren Stunden.
Die Löscharbeiten: Ein komplexer und langwieriger Kampf
Die Brandbekämpfung gestaltete sich als äußerst schwierig und zog sich über viele Stunden hin. Die Feuerwehr leitete einen umfassenden Löschangriff von mehreren Seiten ein, sowohl von außen als auch im Inneren des Gebäudes. Aufgrund der extremen Rauchentwicklung mussten die Trupps fast ausschließlich unter schwerem Atemschutz vorgehen. Zeitweise wurde sogar eine offizielle Bevölkerungswarnung herausgegeben, um Anwohner vor dem giftigen Brandrauch zu schützen.
- Einsatz der Drehleiter: Um an die Brandnester im Dachstuhl zu gelangen, kam die Drehleiter zum Einsatz. Teile der Dachhaut mussten geöffnet werden, um gezielt Glutnester ablöschen zu können.
- Brandlast im Keller: Eine besondere Herausforderung stellte der Keller dar. Aufgrund der dort gelagerten Gegenstände herrschte eine hohe Brandlast. Hier setzten die Einsatzkräfte spezielles Schaummittel ein, um das Feuer effektiv zu ersticken.
- Sicherheitsmaßnahmen: Um die Sicherheit der Einsatzkräfte zu gewährleisten und weitere Gefahren wie Kurzschlüsse oder Gasexplosionen auszuschließen, kappte der örtliche Energieversorger die Strom- und Gasversorgung für die gesamte Wohnsiedlung. Davon waren rund 30 umliegende Häuser betroffen.
Die logistische Unterstützung war ebenfalls ein entscheidender Faktor. Das Deutsche Rote Kreuz sicherte die medizinische Versorgung der Einsatzkräfte und kümmerte sich um deren Verpflegung während des langen Einsatzes. Die Nachlöscharbeiten zogen sich bis weit in den Samstagnachmittag hinein.
Hintergrund
Ein Brand dieses Ausmaßes wirft viele Fragen auf, allen voran die nach der Ursache. Unmittelbar nach dem Ende der akuten Löscharbeiten hat die Tatortgruppe der Polizeiinspektion Gifhorn die Ermittlungen aufgenommen. Der Brandort wurde offiziell beschlagnahmt, um Spuren sichern zu können. Bislang gibt es keine offiziellen Angaben zur Brandursache; die Ermittlungen stehen noch ganz am Anfang und werden voraussichtlich einige Zeit in Anspruch nehmen. Experten werden das Gebäude in den kommenden Tagen genau untersuchen, um den Ausgangspunkt des Feuers zu lokalisieren und mögliche Ursachen zu analysieren.
Der entstandene Gebäudeschaden ist immens. Die Polizei schätzt ihn vorläufig auf etwa 750.000 Euro. Diese Summe verdeutlicht das Ausmaß der Zerstörung. Für die Bewohner bedeutet dies den Verlust ihres Zuhauses und ihres gesamten Hab und Guts. Ereignisse wie diese rücken die Wichtigkeit von funktionierenden Rauchmeldern und einem klaren Fluchtweg in Mehrfamilienhäusern wieder stark ins Bewusstsein.
Häufige Fragen
Wie hoch ist der entstandene Schaden?
Die Polizeiinspektion Gifhorn schätzt den Sachschaden am Gebäude und Inventar auf circa 750.000 Euro. Das Mehrfamilienhaus ist durch die Flammen, den Rauch und das Löschwasser vollständig zerstört und derzeit unbewohnbar.
Wurden bei dem Brand Menschen verletzt?
Nein, glücklicherweise wurde niemand verletzt. Alle zehn Bewohner, darunter acht Erwachsene und zwei Kinder, sowie eine Katze konnten das brennende Gebäude rechtzeitig und eigenständig verlassen, noch bevor die ersten Einsatzkräfte eintrafen.
Was ist die Ursache für das Feuer?
Die Brandursache ist derzeit noch unklar. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen und den Brandort beschlagnahmt. Die Untersuchungen zur genauen Ursache des Feuers, das auf einem Balkon ausbrach, dauern an.
Dieser Samstagmorgen wird den Bewohnern der Alten Riede und den vielen Helfern noch lange in Erinnerung bleiben. Er ist eine Mahnung an die zerstörerische Kraft des Feuers, aber auch ein beeindruckendes Zeugnis für den Mut und die Professionalität der ehrenamtlichen und hauptberuflichen Einsatzkräfte im Landkreis Gifhorn. Während der materielle Verlust schmerzt, überwiegt die Erleichterung, dass keine Menschenleben zu beklagen sind.




