Während vielerorts über Nachwuchssorgen im Ehrenamt geklagt wird, zeichnet die Samtgemeinde Meinersen ein beeindruckend anderes Bild. Die Jahresversammlung der Jugendfeuerwehr Fahle Heide in Ahnsen offenbarte nicht nur personelle Weichenstellungen für die Zukunft, sondern auch eine Bilanz, die das enorme Engagement und die hohe Attraktivität der Freiwilligen Feuerwehr für junge Menschen im Landkreis Gifhorn unterstreicht.
Wechsel an der Spitze und neue Impulse für die Jugendarbeit
Ein zentraler Punkt der Versammlung war die Wahl einer neuen Führungskraft. Fabian Weidmann aus Meinersen wurde einstimmig zum neuen stellvertretenden Samtgemeindejugendfeuerwehrwart gewählt. Er tritt die Nachfolge von Martin Sollmann an, der sein Amt aus persönlichen Gründen niedergelegt hatte. Weidmann wird zukünftig an der Seite von Samtgemeindejugendfeuerwehrwart Stefan Böttger und der stellvertretenden Samtgemeindejugendfeuerwehrwartin Elena Klann die Geschicke der Jugendarbeit leiten.
Doch nicht nur in der Führungsebene gab es frischen Wind. Auch die Jugendlichen selbst erhalten neue Vertreter, die ihre Interessen bündeln und weitertragen. Thessa-Mia Schewe und Malte Niebuhr, beide aus der engagierten Jugendfeuerwehr Ahnsen, wurden zu den neuen Samtgemeinde-Jugendsprechern ernannt. Stefan Böttger nutzte die Gelegenheit, um den bisherigen Jugendsprechern für ihre hervorragende Arbeit und ihren Einsatz im vergangenen Jahr zu danken.
Hintergrund: Das Fundament des freiwilligen Engagements
Warum sind diese Zahlen und Wahlen so bedeutsam für die Samtgemeinde Meinersen und den gesamten Landkreis Gifhorn? Das System der Freiwilligen Feuerwehr in Deutschland lebt vom ehrenamtlichen Engagement. Anders als in Großstädten mit Berufsfeuerwehren sind es hier Bürgerinnen und Bürger, die im Notfall alles stehen und liegen lassen, um anderen zu helfen. Die Kinder- und Jugendfeuerwehren sind die entscheidende Nachwuchsschmiede für diese unverzichtbare Aufgabe. Sie sichern die Einsatzbereitschaft von morgen.
In den wöchentlichen Treffen und bei gemeinsamen Aktivitäten lernen die Kinder und Jugendlichen nicht nur feuerwehrtechnisches Wissen wie den Umgang mit Schläuchen und Geräten. Vielmehr werden ihnen zentrale Werte wie Kameradschaft, Teamgeist, Verantwortungsbewusstsein und Hilfsbereitschaft vermittelt. Dieses Engagement ist ein unschätzbarer Beitrag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in den Dörfern und Gemeinden. Die Jahresversammlung ist daher mehr als nur ein administrativer Akt; sie ist ein Seismograf für die Gesundheit und Zukunftsfähigkeit des Ehrenamts in der Region.
Eine beeindruckende Bilanz: Zahlen, die für sich sprechen
Die Berichte von Stefan Böttger und Elena Klann zeichneten ein überaus positives Bild der Nachwuchsarbeit. Die Zahlen belegen eindrucksvoll, wie viel Zeit und Herzblut in die Förderung der Jüngsten investiert wird.
Kinderfeuerwehren: Ein Erfolgsmodell mit Wartelisten
Der Grundstein für eine spätere Feuerwehrkarriere wird oft schon bei den Jüngsten gelegt. Die Kinderfeuerwehren in der Samtgemeinde Meinersen erfreuen sich größter Beliebtheit.
- In den sieben Kinderfeuerwehren der Samtgemeinde sind derzeit 130 Kinder aktiv.
- Ein engagiertes Team von 45 Betreuerinnen und Betreuern sorgt für ein abwechslungsreiches und pädagogisch wertvolles Programm.
- Die Nachfrage ist so hoch, dass zwei Wehren bereits Wartelisten führen müssen – ein klares Zeichen für die Attraktivität des Angebots.
- Für das laufende Jahr 2026 sind bereits eine gemeinsame Tagesaktion, diverse Fortbildungen für die Betreuer und ein intensivierter Austausch geplant.
Samtgemeindebürgermeisterin Karin Single betonte in ihrem Grußwort die Wichtigkeit dieser Arbeit und wies darauf hin, dass die Gemeinde die 130 Kinder im vergangenen Jahr mit hochwertigen Winterjacken ausgestattet hat, um die Aktivitäten auch in der kalten Jahreszeit zu unterstützen.
Jugendfeuerwehren: Tausende Stunden für Ausbildung und Gemeinschaft
Auch bei den Jugendfeuerwehren ist die Entwicklung positiv, wenn auch mit lokalen Unterschieden. Die Mitgliederzahl stieg leicht auf insgesamt 173 Jugendliche an. Während die meisten Gruppen stabil sind, gibt es in Ettenbüttel, Flettmar und Ohof leichte Nachwuchssorgen, denen aktiv begegnet werden soll. Die geleistete Arbeit ist schlichtweg phänomenal:
- 4.468 Stunden wurden in die feuerwehrtechnische Ausbildung investiert.
- 7.527 Stunden entfielen auf die allgemeine Jugendarbeit, zu der Zeltlager, Ausflüge und sportliche Aktivitäten gehören.
- Zusätzlich zu diesen bereits über 11.995 erfassten Stunden kommen unzählige weitere Stunden für Vor- und Nachbereitungen, Sitzungen und die persönliche Weiterbildung der Jugendwarte hinzu.
Ein absoluter Höhepunkt des vergangenen Jahres war das gemeinsame Samtgemeindezeltlager in Plön, das den Zusammenhalt und die Kameradschaft nachhaltig stärkte.
Erfolge, Auszeichnungen und ein prall gefüllter Terminkalender für 2026
Das Engagement der Jugendlichen zahlt sich auch in Wettbewerben aus. Bei den Abnahmen zur Jugendflamme I waren 14 Jugendliche erfolgreich, bei der anspruchsvolleren Jugendflamme II sogar 35 Teilnehmende. Besonders hervorzuheben sind die Erfolge bei überregionalen Wettkämpfen:
- Die Gruppe Päse Pink qualifizierte sich mit einem starken fünften Platz beim Kreis-Wettbewerb für den Bezirkswettbewerb und erreichte dort einen beachtlichen 19. Platz.
- Beim Kreis-Orientierungsmarsch dominierte die Samtgemeinde die Spitze: Die Jugendfeuerwehr Ettenbüttel belegte den ersten Platz, gefolgt von Müden-Dieckhorst auf dem fünften und Ahnsen 1 auf dem achten Platz von über 50 gestarteten Gruppen.
Auch der Kalender für 2026 ist bereits prall gefüllt. Neben den Abnahmen für Brandfloh und Jugendflamme stehen der Samtgemeinde- und Kreis-Wettbewerb in Meinersen, der Bezirkswettbewerb in Göttingen sowie die Leistungsspangenabnahme in Lehre und Cremlingen an. Der stellvertretende Kreisjugendfeuerwehrwart Sven Weiner bedankte sich ausdrücklich bei der Jugendfeuerwehrleitung, die spontan eingesprungen ist, um die Kreiswettbewerbe 2026 auszurichten – ein weiteres Zeichen für den starken Zusammenhalt in der Feuerwehrgemeinschaft.
Häufige Fragen
Warum ist die Nachwuchsarbeit der Feuerwehr so wichtig für die Samtgemeinde Meinersen?
Die Kinder- und Jugendfeuerwehren sind die wichtigste Quelle für zukünftige Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr. Sie sichern langfristig den Brandschutz und die Hilfeleistung in allen Orten der Samtgemeinde. Zudem vermitteln sie jungen Menschen wichtige soziale Kompetenzen und stärken den Gemeinschaftssinn.
Mein Kind hat Interesse an der Feuerwehr. Wo kann ich mich informieren?
Der beste Weg ist, direkt Kontakt mit der Ortsfeuerwehr in Ihrem Dorf aufzunehmen. Die jeweiligen Kinder- oder Jugendfeuerwehrwarte können Ihnen alle nötigen Informationen zu Treffpunkten, Zeiten und Aktivitäten geben. Alternativ kann auch die Verwaltung der Samtgemeinde Meinersen den richtigen Ansprechpartner vermitteln.
Welche Aktivitäten machen die Kinder- und Jugendfeuerwehren?
Das Programm ist sehr vielfältig. Es reicht von der spielerischen Heranführung an Feuerwehrthemen bei den Kleinsten (Brandfloh) über die feuerwehrtechnische Ausbildung (Umgang mit Geräten, Erste Hilfe) bis hin zu allgemeiner Jugendarbeit. Dazu gehören Zeltlager, Sportwettkämpfe, Orientierungsmärsche, Umweltschutzaktionen und gemeinsame Ausflüge.
Die Jahresversammlung in Ahnsen war weit mehr als nur ein formeller Akt. Sie war eine eindrucksvolle Demonstration der Lebendigkeit und Zukunftsfähigkeit des Ehrenamts in der Samtgemeinde Meinersen. Mit einer neuen, motivierten Führung, beeindruckenden Mitgliederzahlen und einem unermüdlichen Einsatz von Betreuern und Jugendlichen ist die Freiwillige Feuerwehr für die Herausforderungen der Zukunft bestens gerüstet. Dieses Engagement ist der Garant für die Sicherheit aller Bürgerinnen und Bürger in der Region.

