Während vielerorts über Nachwuchssorgen im Ehrenamt geklagt wird, zeichnet die Freiwillige Feuerwehr in der Samtgemeinde Meinersen ein beeindruckend positives Bild. Die Jahresversammlung der Jugendfeuerwehr Fahle Heide in Ahnsen offenbarte nicht nur eine stabile Mitgliederbasis, sondern auch ein enormes Engagement, das die Zukunft des Brandschutzes in der Region sichert. Mit neuen personellen Weichenstellungen und einer Bilanz, die sich sehen lassen kann, blickt der Feuerwehr-Nachwuchs optimistisch in das Jahr 2026.

Ein Jahr der Rekorde: Über 12.000 Stunden ehrenamtliches Engagement

Die Zahlen, die Samtgemeindejugendfeuerwehrwart Stefan Böttger präsentierte, sprechen eine deutliche Sprache. Die Jugendfeuerwehren der Samtgemeinde leisteten im Berichtsjahr eine schier unglaubliche Stundenzahl. Allein rund 4.468 Stunden flossen in die feuerwehrtechnische Ausbildung, bei der die Jugendlichen alles Wichtige über Löschangriffe, technische Hilfeleistung und Erste Hilfe lernen. Hinzu kamen etwa 7.527 Stunden für die allgemeine Jugendarbeit, die von Zeltlagern über sportliche Aktivitäten bis hin zu sozialen Projekten reicht. Diese beiden Posten summieren sich auf fast 12.000 Stunden – eine Zahl, die das immense Engagement der Jugendlichen und ihrer Betreuer verdeutlicht. Nicht eingerechnet sind dabei die unzähligen Stunden für Vor- und Nachbereitungen, Sitzungen und die persönliche Aus- und Fortbildung der Jugendwarte.

Die Früchte dieser intensiven Arbeit zeigten sich in zahlreichen Erfolgen und Höhepunkten des vergangenen Jahres:

  • Samtgemeindezeltlager in Plön: Ein unvergessliches Erlebnis, das den Teamgeist und die Kameradschaft stärkte.
  • Erfolgreiche Abnahmen: Insgesamt 14 Jugendliche bestanden die Prüfung zur Jugendflamme I, während 35 Mitglieder die anspruchsvollere Jugendflamme II erfolgreich absolvierten.
  • Wettbewerbserfolge: Die Gruppe „Päse Pink“ qualifizierte sich mit einem hervorragenden fünften Platz beim Kreis-Wettbewerb für den Bezirkswettbewerb und erreichte dort einen beachtlichen 19. Platz.
  • Dominanz beim Orientierungsmarsch: Beim Kreis-Orientierungsmarsch demonstrierte der Nachwuchs aus der Samtgemeinde seine Stärke. Unter mehr als 50 gestarteten Gruppen sicherte sich die Jugendfeuerwehr Ettenbüttel den ersten Platz, gefolgt von Müden-Dieckhorst auf Platz fünf und Ahnsen 1 auf Platz acht.

Personelle Weichenstellung für die Zukunft

Eine Jahresversammlung ist traditionell auch ein Ort für personelle Veränderungen und die Gestaltung der Zukunft. In Ahnsen wurden wichtige Positionen neu besetzt, um die erfolgreiche Arbeit der vergangenen Jahre nahtlos fortzusetzen.

Neuer stellvertretender Samtgemeindejugendfeuerwehrwart

Eine zentrale Personalentscheidung war die Wahl des neuen stellvertretenden Samtgemeindejugendfeuerwehrwartes. Fabian Weidmann aus Meinersen wurde von der Versammlung in dieses verantwortungsvolle Amt gewählt. Er tritt die Nachfolge von Martin Sollmann an, der sein Amt aus persönlichen Gründen niedergelegt hatte. Weidmann wird zukünftig an der Seite von Stefan Böttger und Elena Klann die Geschicke der Jugend- und Kinderfeuerwehren in der Samtgemeinde lenken.

Frischer Wind durch neue Jugendsprecher

Auch die Jugendlichen selbst erhalten eine neue, starke Stimme. Thessa-Mia Schewe und Malte Niebuhr, beide aus der Jugendfeuerwehr Ahnsen, wurden zu den neuen Samtgemeinde-Jugendsprechern ernannt. Sie werden die Interessen der 173 Jugendfeuerwehrmitglieder vertreten und als Bindeglied zur Führungsebene fungieren. Samtgemeindejugendfeuerwehrwart Böttger nutzte die Gelegenheit, um den bisherigen Jugendsprechern für ihre hervorragende Arbeit und ihren Einsatz herzlich zu danken.

Hintergrund: Die Bedeutung der Nachwuchsarbeit für den Brandschutz

Die Arbeit der Kinder- und Jugendfeuerwehren ist weit mehr als nur eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung. Sie ist das Fundament für die zukünftige Sicherheit aller Bürgerinnen und Bürger im Landkreis Gifhorn. In einer Zeit, in der das Ehrenamt um Anerkennung und Mitglieder kämpft, bilden diese Nachwuchsabteilungen die wichtigste Quelle für neue Einsatzkräfte in den aktiven Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehren. Ohne diesen stetigen Zulauf wäre die Aufrechterhaltung des flächendeckenden Brandschutzes und der technischen Hilfeleistung langfristig gefährdet.

Die Betreuer vermitteln nicht nur feuerwehrtechnisches Wissen, sondern auch zentrale gesellschaftliche Werte wie Teamgeist, Verantwortungsbewusstsein und Hilfsbereitschaft. Samtgemeindebürgermeisterin Karin Single betonte in ihrem Grußwort genau diesen Aspekt: „Ihr vermittelt Wissen und Werte der Feuerwehr.“ Sie hob zudem hervor, dass neben dem klassischen Brandschutz auch Themen wie Umwelt- und Naturschutz immer mehr an Bedeutung gewinnen und in die Ausbildung einfließen.

Kinder- und Jugendfeuerwehren im Detail: Ein gemischtes Bild

Ein genauerer Blick auf die Mitgliederzahlen zeigt eine positive Gesamtentwicklung, aber auch lokale Herausforderungen.

Die „Brandflöhe“ boomen: Wartelisten in den Kinderfeuerwehren

Besonders erfreulich ist die Situation bei den Jüngsten. In den sieben Kinderfeuerwehren der Samtgemeinde sind derzeit 130 Kinder aktiv, betreut von einem engagierten Team aus 45 Personen. Der Andrang ist so groß, dass zwei Wehren bereits Wartelisten führen müssen. Um die Attraktivität weiter zu steigern, wurden die Kinder im vergangenen Jahr, wie Bürgermeisterin Single erwähnte, mit neuen Winterjacken ausgestattet. Für 2026 sind gemeinsame Aktionen und ein verstärkter Austausch geplant, um die erfolgreiche Arbeit fortzusetzen. Die nächste Brandflohabnahme, eine erste spielerische Prüfung für die Kinder, findet am 18. April 2026 in Müden-Dieckhorst statt.

Jugendfeuerwehren: Wachstum mit lokalen Herausforderungen

Bei den Jugendfeuerwehren konnte die Mitgliederzahl leicht auf insgesamt 173 Jugendliche gesteigert werden. Dieser positive Trend kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass einzelne Standorte mit Nachwuchssorgen zu kämpfen haben. Insbesondere die Jugendfeuerwehren in Ettenbüttel, Flettmar und Ohof suchen dringend neue Mitglieder, um ihre Gruppen zu stärken. Diese lokalen Herausforderungen zeigen, wie wichtig kontinuierliche Mitgliederwerbung und attraktive Angebote für die Jugendlichen sind.

Für das kommende Jahr steht bereits ein prall gefüllter Terminkalender. Neben den Abnahmen für Jugendflamme und Leistungsspange stehen der Samtgemeinde- und Kreis-Wettbewerb in Meinersen sowie der Bezirksjugendfeuerwehr-Wettbewerb in Göttingen auf dem Programm. Der stellvertretende Kreisjugendfeuerwehrwart Sven Weiner bedankte sich ausdrücklich bei der Leitung der Meinerser Jugendfeuerwehr dafür, dass sie spontan die Ausrichtung der Kreiswettbewerbe 2026 übernommen hat.

Häufige Fragen

Wie kann mein Kind bei der Kinder- oder Jugendfeuerwehr mitmachen?

Der beste Weg ist, direkt Kontakt mit der örtlichen Feuerwehr (Ortsfeuerwehr) in Ihrem Wohnort aufzunehmen. Die Verantwortlichen dort können Auskunft über die Treffpunkte, Ansprechpartner und Aufnahmebedingungen für die Kinder- (meist ab 6 Jahren) oder Jugendfeuerwehr (meist ab 10 Jahren) geben.

Was kostet die Mitgliedschaft in der Jugendfeuerwehr?

Die Mitgliedschaft in der Kinder- und Jugendfeuerwehr ist grundsätzlich kostenlos. Die Schutzausrüstung und die Uniform werden in der Regel gestellt. Für besondere Aktivitäten wie Zeltlager oder Ausflüge kann ein kleiner Eigenanteil anfallen, der aber oft durch Fördervereine oder die Gemeinde bezuschusst wird, um allen Kindern die Teilnahme zu ermöglichen.

Warum ist die Jugendarbeit der Feuerwehr so wichtig für die Samtgemeinde?

Sie sichert den Nachwuchs für die aktive Einsatzabteilung und damit den Schutz der Bevölkerung. Gleichzeitig bietet sie Kindern und Jugendlichen eine sinnvolle Freizeitgestaltung, fördert soziale Kompetenzen und stärkt den Zusammenhalt in den Dörfern. Sie ist eine unverzichtbare Säule des gesellschaftlichen Lebens in der Samtgemeinde Meinersen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Jahresversammlung in Ahnsen ein starkes Signal für die Zukunft des Ehrenamts in der Samtgemeinde Meinersen gesendet hat. Das beeindruckende Engagement von über 300 Kindern, Jugendlichen und ihren Betreuern ist der Garant dafür, dass die Bürgerinnen und Bürger sich auch in den kommenden Jahrzehnten auf ihre Freiwillige Feuerwehr verlassen können. Mit einer neuen, motivierten Führungsmannschaft und einem klaren Plan für die Zukunft sind die Weichen für eine weiterhin erfolgreiche Nachwuchsarbeit gestellt.