Für viele Hausbesitzer im Landkreis Gifhorn, die vor rund zwei Jahrzehnten zu den Pionieren der Solarenergie zählten, neigt sich eine Ära dem Ende zu. Die damals staatlich garantierte, lukrative Einspeisevergütung für ihren Solarstrom läuft aus. Doch das ist kein Grund zur Sorge, sondern eine Chance, die eigene Energieversorgung neu zu denken und die fast abbezahlte Anlage fit für die Zukunft zu machen.

Hintergrund: Das Ende einer goldenen Ära für Photovoltaik-Anlagen

Anfang der 2000er-Jahre schuf die Bundesregierung mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) einen starken Anreiz, in Photovoltaik zu investieren. Hausbesitzer, auch hier bei uns in Gifhorn, Meinersen oder Wittingen, erhielten für jede ins öffentliche Netz eingespeiste Kilowattstunde Solarstrom eine feste, über 20 Jahre garantierte Vergütung. Diese lag teilweise bei über 50 Cent pro Kilowattstunde und machte die Investition in eine Solaranlage zu einem sicheren und rentablen Geschäftsmodell. Das Ziel war, den Ausbau der erneuerbaren Energien massiv zu beschleunigen – mit Erfolg.

Nun, nach Ablauf dieser zwei Jahrzehnte, fallen die ersten dieser „Ü20-Anlagen“ aus der festen Förderung. Schätzungen zufolge betrifft dies in den kommenden Jahren bundesweit zwischen 500.000 und 800.000 Anlagen. Für die Betreiber bedeutet dies eine drastische finanzielle Veränderung. An die Stelle der hohen, garantierten Vergütung tritt der reine Börsenstrompreis, von dem zudem noch Verwaltungskosten abgezogen werden. Das Resultat ist eine Vergütung, die oft bei nur noch 2 bis 4 Cent pro Kilowattstunde liegt – ein Bruchteil des ursprünglichen Betrags.

Die neue Realität: Warum die reine Einspeisung unwirtschaftlich wird

Wer seine Altanlage einfach unverändert weiterlaufen lässt, riskiert, draufzuzahlen. Während die Einnahmen durch die Stromeinspeisung massiv sinken, bleiben die Betriebskosten bestehen. Dazu gehören unter anderem:

  • Gebühren für den Zählerbetrieb
  • Kosten für Wartung und eventuelle Reparaturen
  • Versicherungsbeiträge für die Anlage
  • Mögliche Kosten für den Austausch eines alternden Wechselrichters

Die Rechnung ist einfach: Bei Einnahmen von wenigen Cent pro Kilowattstunde können diese Fixkosten schnell zu einem negativen Ergebnis führen. Der Photovoltaik-Experte Holger Laudeley bringt es auf den Punkt: „Früher hat man das Geld mit der Einspeisung verdient, heute ist es der Eigenverbrauch.“ Der Fokus verschiebt sich also radikal: Statt den Strom teuer zu verkaufen, geht es nun darum, den teuren Zukauf von Netzstrom zu vermeiden.

Option 1: Umrüstung auf Eigenverbrauch – Die clevere Standardlösung

Die logischste und wirtschaftlichste Lösung für die meisten Betreiber von Ü20-Anlagen ist die Umstellung auf einen möglichst hohen Eigenverbrauch. Das bedeutet, der auf dem eigenen Dach erzeugte Solarstrom wird direkt im Haushalt genutzt, um Waschmaschine, Computer, Beleuchtung und andere Geräte zu betreiben. Nur der Strom, der darüber hinaus produziert und nicht sofort verbraucht wird, fließt noch ins öffentliche Netz.

Was ist für die Umstellung technisch notwendig?

Die Umstellung von Volleinspeisung auf Eigenverbrauch erfordert einen Eingriff durch einen Elektrofachbetrieb. In der Regel muss die Anlage anders an den Hausanschluss angebunden und der bisherige Einspeisezähler durch einen modernen Zweirichtungszähler ersetzt werden. Dieser misst sowohl den Strom, den Sie aus dem Netz beziehen, als auch den Überschuss, den Sie einspeisen. Die Kosten für diesen Umbau belaufen sich je nach Aufwand auf etwa 2.000 bis 4.000 Euro. Diese Investition in eine bereits amortisierte Anlage rechnet sich jedoch schnell, da jede selbst verbrauchte Kilowattstunde Solarstrom den Kauf von Netzstrom zu Preisen von über 30 Cent einspart.

Option 2: Mit einem Stromspeicher die Unabhängigkeit maximieren

Wer noch einen Schritt weitergehen möchte, rüstet seine bestehende Anlage mit einem Stromspeicher nach. Die Technologie hat in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht: Die Preise für Batteriespeicher sind deutlich gesunken, während ihre Kapazität und Effizienz gestiegen sind. Ein Speicher ermöglicht es, den tagsüber erzeugten Solarstrom-Überschuss zu speichern und ihn abends, nachts oder an bewölkten Tagen zu nutzen.

Wie funktioniert die Nachrüstung?

Für bestehende Anlagen eignet sich besonders ein sogenanntes AC-gekoppeltes Speichersystem. Dieses wird einfach in den Hausstromkreis integriert, ohne dass die bestehende Photovoltaik-Anlage selbst verändert werden muss. Der Speicher lädt sich mit dem überschüssigen Solarstrom auf und gibt ihn bei Bedarf wieder ab. Dies erhöht den Eigenverbrauchsanteil von typischerweise 30 % auf bis zu 70-80 % und macht Sie deutlich unabhängiger von steigenden Strompreisen. Gerade für Haushalte im Landkreis Gifhorn, die über eine Wärmepumpe heizen oder ein Elektroauto laden, ist ein Speicher eine besonders sinnvolle Ergänzung, um die Betriebskosten dieser Großverbraucher zu senken.

Option 3: Die Komplettmodernisierung für die maximale Effizienz

Steht ohnehin ein Austausch des alten Wechselrichters an, kann eine umfassendere Modernisierung die beste Wahl sein. Hierbei wird der alte Wechselrichter durch ein modernes Hybrid-Gerät ersetzt, das bereits eine integrierte Schnittstelle für einen Batteriespeicher besitzt. Dies ist oft die effizienteste und eleganteste Lösung.

In diesem Zuge kann auch über eine sogenannte Nulleinspeisung nachgedacht werden. Dabei wird die Anlage so konfiguriert, dass überschüssiger Strom gar nicht erst ins öffentliche Netz gelangt, sondern die Leistung der Anlage dynamisch gedrosselt wird. Dies kann bürokratische Hürden vereinfachen. Eine solche Modernisierung bietet zudem die Möglichkeit, die Anlage mit neuen, leistungsfähigeren Solarmodulen zu erweitern und so die Gesamtleistung zu erhöhen, um den gestiegenen Strombedarf eines modernen Haushalts zu decken.

Häufige Fragen

Muss ich selbst aktiv werden oder informiert mich mein Netzbetreiber über das Förderende?

Verlassen Sie sich nicht darauf, von Ihrem Netzbetreiber, wie beispielsweise der LSW Netz GmbH & Co. KG, proaktiv informiert zu werden. Viele Betreiber erhalten keine oder nur sehr späte Post. Prüfen Sie das Inbetriebnahmedatum Ihrer Anlage und werden Sie selbst aktiv. Kontaktieren Sie frühzeitig einen qualifizierten Elektro- oder Solarfachbetrieb hier im Landkreis Gifhorn, um die verschiedenen Optionen zu besprechen und den Umbau rechtzeitig zu planen.

Lohnt sich die Investition in einen Speicher für meine 20 Jahre alte Anlage überhaupt noch?

In den meisten Fällen ja. Ihre Solarmodule sind bereits bezahlt und produzieren weiterhin kostenlosen Strom. Die Investition in einen Speicher ist eine Investition in die Nutzung dieses kostenlosen Stroms. Angesichts der hohen Netzstrompreise amortisiert sich ein Speicher oft innerhalb weniger Jahre. Zudem steigern Sie Ihre Versorgungssicherheit und Ihren Beitrag zur Energiewende.

Kann ich meine alte PV-Anlage einfach mit neuen, leistungsstärkeren Modulen erweitern?

Eine Erweiterung ist technisch möglich, aber nicht immer trivial. Alte und neue Module haben unterschiedliche technische Eigenschaften (Spannung, Stromstärke), die aufeinander abgestimmt werden müssen. Oft ist dafür ein neuer Wechselrichter mit mehreren Eingängen (MPP-Trackern) oder der Einsatz von Modul-Optimierern notwendig. Eine fachmännische Beratung ist hier unerlässlich, um die Kompatibilität sicherzustellen und die bestmögliche Leistung aus der Gesamt-Anlage herauszuholen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Ende der EEG-Förderung kein Ende für Ihre Solaranlage bedeutet. Es ist vielmehr der Startschuss für eine neue Phase, in der Sie vom reinen Stromverkäufer zum intelligenten Energiemanager im eigenen Haus werden. Durch die Umstellung auf Eigenverbrauch, ergänzt durch einen Speicher, bleibt Ihre Photovoltaik-Anlage auch in den kommenden Jahrzehnten eine wertvolle und wirtschaftlich sinnvolle Investition für Ihr Zuhause im Landkreis Gifhorn.