Auf dem Pausenhof der Braunschweiger Gaußschule herrscht reges Treiben, doch es geht nicht um die nächste Klausur. Stattdessen werden Stapel kleiner Kärtchen getauscht, verglichen und begutachtet – ein Phänomen, das an die Sammelalben der Kindheit erinnert. Doch hier sind die Stars keine Fußballprofis, sondern die eigenen Lehrerinnen und Lehrer, was eine Welle der Begeisterung an der Schule ausgelöst hat.

Der Sammelkarten-Hype an der Gaußschule

Was als kleine Idee begann, hat sich zu einem echten Hype entwickelt. Vier Schülerinnen der 12. Klasse – Marie Witzel, Elsa Kothe, Malin Franke und Helena Klukowski – sind die treibenden Kräfte hinter dem Projekt. „Wir haben schon damit gerechnet, dass die Aktion gut ankommt. Aber mit diesem Ansturm haben wir ehrlicherweise nicht gerechnet“, gesteht Marie Witzel. Die Nachfrage ist enorm. Ihre Mitschülerin Elsa Kothe berichtet von einem Schüler, der auf einen Schlag 36 Päckchen erwarb. Verkauft werden die Karten in Päckchen zu je fünf Stück für 2,50 Euro. Bislang gingen bereits beeindruckende 7.500 Sammelkarten über den Tresen.

Die Idee ist simpel, aber genial: Die Abiturienten finanzieren mit den Einnahmen ihren bevorstehenden Abiball. Die Kosten dafür sind beträchtlich und werden auf rund 25.000 Euro geschätzt. Jede verkaufte Packung bringt den Jahrgang diesem Ziel ein Stück näher und schafft gleichzeitig ein einzigartiges Erinnerungsstück an die Schulzeit.

Hintergrund: Von der Social-Media-Inspiration zum Schulprojekt

Die Inspiration für diese ungewöhnliche Fundraising-Aktion fanden die Schülerinnen im vergangenen September auf einer Social-Media-Plattform. Ein Video einer anderen Schule, die eine ähnliche Aktion durchgeführt hatte, weckte ihr Interesse. „Wir fanden die Idee einfach sehr cool – auch als Möglichkeit, Geld für unseren Abi-Ball zu generieren“, erklärt Marie Witzel. Schnell war klar: Das wollen sie auch an ihrer Schule umsetzen.

Von der Idee zur Umsetzung

Nachdem die Idee geboren war, ging es an die konkrete Planung. Die vier Schülerinnen mussten nicht nur ihre Mitschüler, sondern auch die Schulleitung und vor allem die Lehrkräfte überzeugen. Doch die Bedenken waren gering. Schulleiter Stefan Lüttenberg war von Anfang an begeistert: „Bei mir kam die Idee direkt gut an. Denn mit den Karten können die Schüler ihre Lehrer besser kennenlernen – und durch das Tauschen kommen sie ins Gespräch.“ Er selbst sei bereits im Sammelfieber und plane den Kauf der Karten fest in seinem Terminkalender ein.

Mehr als nur Lehrer auf den Karten

Die Vielfalt der Motive ist ein Schlüssel zum Erfolg. Insgesamt gibt es 65 verschiedene Karten zu sammeln. Darauf sind nicht nur die Lehrkräfte mit persönlichen Steckbriefen abgebildet, sondern auch andere wichtige Personen und Orte der Schulgemeinschaft. Dazu gehören:

  • Mitarbeitende aus dem Sekretariat und der Verwaltung
  • Der beliebte Kantinenbetreiber Ahmet Geve
  • Das Schullandheim im Harz
  • Sogar die Hunde der schuleigenen Hunde-AG
Diese bunte Mischung macht das Sammeln besonders reizvoll und stärkt das Gefühl der Zusammengehörigkeit an der Schule. Eine zweite Auflage mit neuen Motiven ist bereits in Arbeit, um die Sammelleidenschaft weiter anzufachen.

Eine Idee, die die Schulgemeinschaft verbindet

Der finanzielle Aspekt ist nur die eine Seite der Medaille. Viel wichtiger, so betonen viele Beteiligte, ist der positive Einfluss auf das Schulklima. Die Sammelkarten haben eine neue Form der Interaktion zwischen Schülern und Lehrern geschaffen. Musiklehrerin Johanna Kreiß, die anfangs skeptisch war, ist mittlerweile überzeugt: „Ich muss sagen, was das mit der Schulgemeinschaft macht, ist schon richtig cool!“

Die Aktion sorgt für Gesprächsstoff und humorvolle Momente. So brachte Lehrer René Illner-Wittig für sein Foto sein Lieblingshuhn mit, das nun zum heimlichen Star seiner Sammelkarte wurde. Am begehrtesten ist jedoch die Karte von Kantinenbetreiber Ahmet Geve, der seit fast 30 Jahren an der Schule arbeitet. „Ja, meine Karte wollen alle am liebsten haben!“, sagt er ungläubig und stolz zugleich. Diese kleinen Geschichten zeigen, wie das Projekt Barrieren abbaut und die Menschen an der Schule auf einer persönlichen Ebene zusammenbringt.

Ein Geschäftsmodell mit Potenzial – auch für Schulen in Gifhorn?

Hinter der Idee steckt mehr als nur ein einmaliges Schulprojekt. Der Ursprungsgedanke stammt von Aiko Zimmermann aus Hannover, der vor anderthalb Jahren eine Lösung suchte, um die Kasse seines eigenen Abschlussjahrgangs zu füllen. Aus dieser Notwendigkeit heraus entwickelte er eine Geschäftsidee und gründete eine Online-Plattform, über die Schulen ihre eigenen Sammelkarten unkompliziert gestalten und bestellen können. Inzwischen hat er bereits über 50 Schulen in ganz Deutschland als Kunden gewonnen und arbeitet mit einer Druckerei in Hannover zusammen, um die hohe Nachfrage zu bewältigen.

Diese Professionalisierung macht das Konzept besonders interessant für andere Schulen, auch im Landkreis Gifhorn. Ob am Humboldt-Gymnasium, an der IGS Sassenburg oder an der Otto-Hahn-Realschule – die Herausforderung, kostspielige Abschlussfeiern zu finanzieren, ist überall präsent. Die Lehrer-Sammelkarten bieten eine kreative, gemeinschaftsfördernde und erprobte Alternative zu traditionellen Methoden wie Kuchenverkauf oder Sponsorenläufen. Es ist ein Modell, das nicht nur Geld einbringt, sondern auch Identifikation stiftet und für unvergessliche Momente sorgt. Vielleicht sehen wir also schon bald die ersten Tauschbörsen auf den Schulhöfen im Landkreis Gifhorn.

Häufige Fragen

Wie viel kosten die Sammelkarten und wie sind sie verpackt?

Die Sammelkarten werden in Päckchen mit jeweils fünf zufälligen Karten verkauft. Ein Päckchen kostet 2,50 Euro. Der Erlös fließt direkt in die Finanzierung des Abiballs des Abschlussjahrgangs.

Wer hatte die ursprüngliche Idee für die Lehrer-Sammelkarten?

Die Geschäftsidee stammt von Aiko Zimmermann aus Hannover. Er hat vor etwa anderthalb Jahren eine Online-Plattform entwickelt, die es Schulen in ganz Deutschland ermöglicht, ihre eigenen, individuellen Sammelkartensets zu erstellen und zu produzieren.

Was ist das Hauptziel der Aktion an der Gaußschule?

Die Aktion hat zwei Hauptziele. Zum einen sollen Einnahmen generiert werden, um den kostspieligen Abiball zu finanzieren, der mit rund 25.000 Euro veranschlagt wird. Zum anderen soll die Aktion die Schulgemeinschaft stärken und den Schülern ein einzigartiges Erinnerungsstück an ihre Lehrer und ihre Schulzeit bieten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Initiative der Braunschweiger Gaußschüler weit mehr ist als nur eine clevere Methode zur Geldbeschaffung. Sie ist ein Paradebeispiel dafür, wie Kreativität und Engagement das Schulleben bereichern und den Zusammenhalt stärken können. Die Sammelkarten schaffen eine Brücke zwischen Schülern und Lehrern, fördern die Kommunikation und hinterlassen eine bleibende, positive Erinnerung. Für Schulen im Landkreis Gifhorn und darüber hinaus könnte dieses erfolgreiche Konzept eine wertvolle Inspiration für eigene Projekte sein.