Jeder Ort hat eine Geschichte, doch wo werden diese Geschichten bewahrt, die das Fundament unserer Gemeinschaft bilden? Das Stadtarchiv Gifhorn, das kollektive Gedächtnis unserer Region, lädt am Samstag, den 7. März 2026, zu einer besonderen Entdeckungsreise ein. Anlässlich des bundesweiten Tags der Archive öffnet die Einrichtung von 10 bis 16 Uhr ihre Pforten und bietet einen einzigartigen Einblick in die verborgenen Schätze und die bewegte Vergangenheit unserer Stadt.

Hintergrund: Mehr als nur verstaubte Akten

Der „Tag der Archive“ ist eine deutschlandweite Initiative, die alle zwei Jahre stattfindet und darauf abzielt, die wichtige Arbeit dieser Institutionen ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Archive sind keine verstaubten Lagerhallen, sondern lebendige Orte des Wissens, die das kulturelle Erbe für zukünftige Generationen sichern. Sie sind unverzichtbar für die historische Forschung, die Aufarbeitung von Familiengeschichten und das Verständnis unserer lokalen Identität.

Das diesjährige Motto „Alte Heimat – Neue Heimat“ könnte für den Landkreis Gifhorn kaum treffender sein. Unsere Region ist seit jeher von Wanderungsbewegungen geprägt. Von den Auswanderern des 19. Jahrhunderts, die in Amerika ein neues Leben suchten, über die Vertriebenen und Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg, die hier eine neue Heimat fanden, bis hin zu den Gastarbeitern des Wirtschaftswunders und den Menschen, die in jüngerer Zeit Zuflucht bei uns gesucht haben – sie alle haben Gifhorn zu dem gemacht, was es heute ist. Der Tag der offenen Tür widmet sich diesen vielfältigen Wegen und Schicksalen und zeigt, wie tief das Thema Migration in der DNA unserer Stadt verwurzelt ist.

Ein Blick hinter die Kulissen: Was erwartet die Besucher?

Der Tag im Stadtarchiv verspricht ein abwechslungsreiches Programm für Geschichtsinteressierte, Familienforscher und neugierige Bürgerinnen und Bürger jeden Alters. Die Mitarbeiterinnen haben eine Veranstaltung konzipiert, die sowohl informativ als auch interaktiv ist und die Vergangenheit greifbar macht.

Schätze aus dem Magazin und historische Dokumente

Besucher haben die seltene Gelegenheit, ausgewählte Originaldokumente aus der Sammlung des Archivs zu bestaunen. Anstatt nur über Geschichte zu lesen, können Sie sie hier direkt erleben. Blättern Sie in alten Zeitungen, die von längst vergangenen Ereignissen in Gifhorn berichten, oder nehmen Sie lokalhistorische Literatur zur Hand, die tiefere Einblicke in die Entwicklung unserer Stadt bietet. Ein besonderes Highlight für viele ist die Möglichkeit, sich im Lesen altdeutscher Schriften wie Sütterlin zu versuchen – eine faszinierende Herausforderung, die eine Brücke in die Welt unserer Vorfahren schlägt.

Die Ausstellung: Lebenswege zwischen den Welten

Im Zentrum der Veranstaltung steht eine eigens kuratierte Ausstellung, die das Motto „Alte Heimat – Neue Heimat“ mit Leben füllt. Anhand konkreter Beispiele wird die Geschichte der Migration in und aus Gifhorn nachgezeichnet:

  • Auswanderung nach Amerika: Erfahren Sie, welche Hoffnungen und Träume die Gifhorner im 19. Jahrhundert dazu bewogen, ihre Heimat zu verlassen, und welche beschwerlichen Hürden sie auf ihrer Reise in die Neue Welt überwinden mussten.
  • Die Familie Sawall: Verfolgen Sie die bewegende Wanderungsgeschichte dieser Familie, die exemplarisch für viele Neuanfänge steht und zeigt, wie persönliche Schicksale die große Geschichte prägen.
  • Wachstum nach dem Krieg: Originaldokumente belegen das eindrucksvolle Wachstum Gifhorns in der Nachkriegszeit, das maßgeblich durch den Zuzug von Flüchtlingen und Vertriebenen gestaltet wurde.

Hilfe für Hobby-Historiker und Familienforscher

Planen Sie, Ihre eigene Familiengeschichte zu erforschen? Oder haben Sie spezifische Fragen zur Stadtgeschichte? Die fachkundigen Mitarbeiterinnen des Stadtarchivs stehen den ganzen Tag über für Beratungsgespräche zur Verfügung. Sie geben wertvolle Tipps zur Recherche und zeigen, wie man das Archivportal „Arcinsys“ effektiv nutzt. In diesem Online-Portal stellen viele niedersächsische Archive ihre Bestände digital zur Verfügung, was die Ahnenforschung erheblich erleichtert. Besucher können die Nutzung von Arcinsys direkt vor Ort ausprobieren und erste Schritte in ihrer eigenen Forschung unternehmen.

Ein Aufruf, der Geschichte schreibt: Ihre Geschichte ist gefragt!

Ein Archiv lebt nicht nur von der Vergangenheit, sondern auch von der Gegenwart. Um die Geschichte Gifhorns vollständig erzählen zu können, ist das Stadtarchiv auf die Mithilfe der Bürgerinnen und Bürger angewiesen. Parallel zum Tag der offenen Tür startet daher ein wichtiger Aufruf: Das Archiv sucht aktiv nach Personen mit Migrationsgeschichte, die bereit sind, ihre persönlichen Erfahrungen und Erinnerungen zu teilen.

Oft sind es gerade die privaten Geschichten, die in offiziellen Akten fehlen. Ein vergilbtes Foto, ein alter Brief, ein Tagebuch oder ein persönliches Erinnerungsstück kann mehr über die Hoffnungen, Sorgen und Erfolge von Zuwanderern erzählen als jeder Verwaltungsakt. Diese Zeugnisse sind von unschätzbarem Wert, um das Bild unserer Gesellschaft zu vervollständigen.

Wer ist angesprochen?

  • Personen und Familien, die selbst oder deren Vorfahren als Gastarbeiter, Flüchtlinge oder Asylsuchende nach Gifhorn kamen.
  • Menschen, deren Familiengeschichte von Flucht und Vertreibung geprägt ist.
  • Jeder, der persönliche Dokumente oder Geschichten zum Thema Migration beitragen kann.

Die übergebenen Dokumente werden fachgerecht archiviert und für die Nachwelt gesichert. Wer sich frühzeitig meldet, hat sogar die Chance, dass seine Geschichte Teil der Ausstellung zum Tag der Archive wird. Interessierte können sich per E-Mail an stadtarchiv@stadt-gifhorn.de, telefonisch unter 05371 - 88 510 oder persönlich während der Öffnungszeiten (Mo/Mi: 9-12:30 Uhr, Di: 14-17 Uhr) an das Archiv wenden.

Häufige Fragen

Muss ich mich für den Tag der offenen Tür anmelden?

Nein, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Veranstaltung ist kostenlos und alle Interessierten sind herzlich eingeladen, zwischen 10 und 16 Uhr vorbeizukommen. Sie können so lange bleiben, wie Sie möchten.

Ist die Veranstaltung auch für Kinder und Jugendliche geeignet?

Ja, absolut. Auch wenn das Thema tiefgründig ist, bietet der Tag spannende Einblicke für jüngere Besucher. Besonders das Ausprobieren der alten deutschen Schrift oder das Betrachten alter Fotos und Karten kann für Kinder ein faszinierendes Erlebnis sein und Geschichte lebendig machen.

Ich habe alte Dokumente zu Hause. Kann ich diese direkt mitbringen?

Sie können gerne Fotos oder Kopien mitbringen, um eine erste Einschätzung von den Mitarbeiterinnen zu erhalten. Für die Übergabe von Originaldokumenten ist es jedoch ratsam, vorab Kontakt aufzunehmen und einen separaten Termin zu vereinbaren, damit eine sorgfältige und ungestörte Beratung gewährleistet werden kann.

Der Tag der offenen Tür im Stadtarchiv Gifhorn ist mehr als nur eine Ausstellung. Es ist eine Einladung an die gesamte Gemeinschaft, die eigene Geschichte zu entdecken, zu verstehen und aktiv mitzugestalten. Nutzen Sie die Gelegenheit am 7. März 2026, um hinter die Kulissen des Gedächtnisses unserer Stadt zu blicken und die vielfältigen Fäden zu erkunden, aus denen unsere gemeinsame Heimat gewebt ist.