Wenn im Oktober des Jahres 2026 das traditionsreiche Niedersachsenderby zwischen Eintracht Braunschweig und Hannover 96 ansteht, blickt die gesamte Region gespannt auf das Stadion an der Hamburger Straße. Solche Begegnungen mit erhöhtem Risiko stellen die niedersächsischen Einsatzkräfte regelmäßig vor enorme Herausforderungen und erfordern ein massives Personalaulgebot. Während andere Bundesländer wie Bremen bereits dazu übergegangen sind, die zusätzlichen Ausgaben für Großeinsätze über den DFB direkt den Profivereinen in Rechnung zu stellen, sieht die rechtliche Situation in Niedersachsen völlig anders aus. Viele Sportfans und Steuerzahler im Landkreis Gifhorn und ganz Niedersachsen fragen sich daher, warum die Profiklubs hierzulande nicht an diesen enormen Kosten beteiligt werden.
Rechtliche Hürden in Niedersachsen
Die Debatte um eine finanzielle Beteiligung von kommerziellen Sportveranstaltern an den Kosten für polizeiliche Schutzmaßnahmen bei Risikospielen wird seit Jahren intensiv geführt. Das niedersächsische Ministerium für Inneres und Sport hat auf Anfrage klargestellt, dass man grundsätzliche Überlegungen zur Entlastung der öffentlichen Kassen durchaus positiv bewertet. Dennoch scheitert ein Vorgehen nach Bremer Vorbild an ganz konkreten gesetzlichen Rahmenbedingungen.
- Fehlende Rechtsgrundlage: Im geltenden niedersächsischen Landesrecht existiert aktuell kein Paragraf, der es den Behörden erlaubt, Sondergebühren für polizeiliche Großeinsätze bei den Vereinen einzutreiben.
- Blick nach Bremen: Dort werden die Mehrkosten über den DFB an die Klubs weitergereicht, gestützt durch entsprechende landesrechtliche Regelungen und juristische Grundsatzentscheidungen.
- Andere Bundesländer: Auch das Saarland prüft derzeit intensiv, ob ein Gebührenbescheid für den DFB als rechtlicher Hebel infrage kommt.
Solange der niedersächsische Landtag keine entsprechende gesetzliche Basis schafft, sind den Behörden bei der Rechnungsstellung die Hände gebunden. Das Land setzt daher vorerst auf Diskussionen und mögliche Weichenstellungen auf Bundesebene, bei denen auch alternative Modelle wie spezielle Fonds diskutiert werden.
Hintergrund
Die Diskussion über die Kostenübernahme bei Hochrisikospielen hat eine Vorgeschichte, die stark mit der zunehmenden Gewaltbereitschaft und dem Einsatz von Pyrotechnik in deutschen Fußballstadien verknüpft ist. Die Präsidentenkonferenz der Rechnungshöfe des Bundes und der Länder hatte zuvor empfohlen, gewinnorientierte Veranstalter stärker in die Pflicht zu nehmen, wenn Großeinsätze aufgrund kommerzieller Events notwendig werden. Das Hauptanliegen des niedersächsischen Innenministeriums geht jedoch über bloße Finanzfragen hinaus: Im Fokus steht die Eindämmung von Ausschreitungen.
Das Ministerium betont immer wieder, dass die Profivereine als Veranstalter ihrer primären Verantwortung für die Sicherheit in den Arenen nachkommen müssen. Derzeit kompensiert die Polizei mit einem übergroßen Aufgebot oft die Defizite in den Sicherheitskonzepten der Klubs. Hohe Verbandsstrafen, die der DFB wegen Fan-Vergehen verhängt, zeigen nach Einschätzung der Behörden oft nur einen vernachlässigbaren erzieherischen Effekt. Die Debatte berührt somit fundamentale Fragen über die Rolle des Staates, die Verantwortung von Profivereinen und den Schutz friedlicher Zuschauer.
Finanzielle Dimension und polizeiliche Gefährdungsbewertung
Wie viel Steuergeld ein einzelnes Risikospiel wie das Derby zwischen Braunschweig und Hannover exakt verschlingt, lässt sich vonseiten der Behörden nicht pauschal beziffern. Die entstehenden Zusatzkosten hängen von einem komplexen Geflecht unterschiedlicher Faktoren ab:
- Personalbedarf: Der Umfang der eingesetzten Beamten richtet sich nach einer individuellen Gefährdungsanalyse für die jeweilige Begegnung.
- Infrastruktur: Die baulichen Gegebenheiten des Stadions sowie die umliegenden An- und Abreisewege fließen direkt in die Planung ein.
- Schnittpunkte: Überschneidungen mit anderen Reisewegen rivalisierender Fangruppen oder parallel stattfindende Großveranstaltungen erhöhen den Koordinierungsaufwand.
- Sach- und Verpflegungsaufwand: Neben den reinen Personalkosten schlagen auch Verpflegung und Sonderausstattung der Einsatzkräfte zu Buche.
Ob und wann eine Bundeslösung greift oder ob Niedersachsen den Weg über eine eigene Gesetzesänderung sucht, bleibt ein fortlaufender Prozess. Für die Region Gifhorn, in der zahlreiche treue Anhänger der niedersächsischen Spitzenvereine leben, bleibt das Thema ein Dauerbrenner zwischen Fankultur, Sicherheitsbedürfnis und öffentlicher Finanzierung.
Häufige Fragen
Warum kann Niedersachsen den DFB oder die Vereine nicht einfach wie Bremen zur Kasse bitten?
Der entscheidende Grund ist das fehlende Landesrecht. Im Gegensatz zu Bremen gibt es in Niedersachsen keine gesetzliche Grundlage, auf deren Basis Gebühren für polizeiliche Mehrleistungen bei sportlichen Großveranstaltungen von den Vereinen erhoben werden könnten.
Wie hoch sind die Mehrkosten für ein typisches Hochrisikospiel in Niedersachsen?
Eine konkrete Gesamtsumme nennt das Innenministerium nicht, da der finanzielle Aufwand von Fall zu Fall stark variiert. Er berechnet sich aus dem individuellen Personalbedarf, der Gefährdungsbewertung, dem Verpflegungsmehraufwand und den spezifischen Sicherheitsanforderungen vor Ort.
Gibt es Bestrebungen, eine einheitliche Regelung für ganz Deutschland zu finden?
Ja, das Thema wird auf Bundesebene intensiv diskutiert. Im Raum steht unter anderem die Einrichtung eines speziellen Fonds, in den Verbände wie die DFL oder der DFB einzahlen könnten, um die öffentlichen Kassen bei Großeinsätzen zu entlasten.
Die Diskussion um die Kostenverteilung bei Fußball-Großereignissen in Niedersachsen zeigt, dass rein finanzielle Korrekturen allein das Kernproblem nicht lösen werden. Während die Politik auf Bundeslösungen und strengere Sicherheitsvorgaben für die Vereine setzt, bleibt abzuwarten, wann und in welcher Form sich die rechtlichen Rahmenbedingungen im Bundesland anpassen lassen. Bis dahin tragen die Steuerzahler weiterhin den Großteil der Aufwendungen für den Schutz bei Risikospielen.