Ein ungewohnter Arbeitsplatztausch sorgt derzeit für Begeisterung und wertvolle Einblicke: Im Rahmen des bundesweiten Projekts „Schichtwechsel“ haben insgesamt 18 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Lebenshilfe das Hauptzollamt in Braunschweig besucht. Menschen mit Beeinträchtigungen, die für gewöhnlich in spezialisierten Werkstätten wie der Montage oder der Fahrzeugpflege tätig sind, tauschten ihren gewohnten Arbeitsalltag gegen spannende Einblicke in die Welt der Zollbehörde ein. Diese besondere Begegnung baut Berührungsängste ab, schafft gegenseitiges Verständnis und fördert nachhaltig die Inklusion auf dem Arbeitsmarkt.

Einblicke hinter die Kulissen: Sechs Stationen voller Abwechslung

Das Hauptzollamt hatte ein abwechslungsreiches Programm vorbereitet, das die Besucherinnen und Besucher in den Bann zog. An insgesamt sechs verschiedenen Stationen konnten die Teilnehmenden hautnah erleben, was den Arbeitsalltag von Zollbeamten ausmacht. Von der praktischen Fahrzeugkontrolle bis hin zur modernen Gepäckdurchsuchung war alles dabei.

  • Fahrzeugkontrolle: Mit Dienstkelle und Warnweste ausgerüstet, stoppten die Teilnehmer Fahrzeuge, überprüften Papiere und durchsuchten Kofferräume.
  • Mobile Röntgentechnik: Am sogenannten „Scan Van“ wurde Gepäck mittels moderner Röntgengeräte durchleuchtet, um Schmuggelware aufzuspüren.
  • Paketabfertigung: In der Abteilung für Postverkehr wurden Sendungen aus Drittländern auf verbotene Einfuhren untersucht.
  • Vierbeinige Unterstützung: Rauschgiftspürhündin „Berta“ demonstrierte eindrucksvoll, wie blitzschnell illegale Substanzen aufgespürt werden.

Besonders die praktische Arbeit vor Ort stand im Vordergrund. So mancher Teilnehmer entdeckte bei fingierten Durchsuchungen versteckte Gegenstände – von Schmuggelware bis hin zu artengeschützten Materialien wie Elfenbein. Für die Beschäftigten der Lebenshilfe war dies eine einmalige Gelegenheit, die Aufgaben der Behörde aus erster Hand kennenzulernen.

Hintergrund

Das Projekt „Schichtwechsel“ bringt Menschen aus Werkstätten für Menschen mit Behinderungen und Beschäftigte aus Unternehmen sowie Behörden des allgemeinen Arbeitsmarktes zusammen. Ziel ist es, Vorurteile abzubauen, neue Perspektiven zu eröffnen und Wege für eine mögliche Öffnung des regulären Arbeitsmarktes aufzuzeigen. Viele Menschen mit Handicap arbeiten dauerhaft in geschützten Einrichtungen, obwohl sie großes Interesse und Potenzial für andere Berufsfelder besitzen. Der direkte Austausch schafft hierbei ein Bewusstsein für Inklusion und zeigt, dass Teilhabe auf Augenhöhe bereichernd für beide Seiten ist.

Begeisterung auf beiden Seiten

Die Reaktionen auf den ungewöhnlichen Arbeitsplatztausch fielen durchweg positiv aus. Zollbeamter Andreas, der eine Station betreute, zeigte sich von der offenen und direkten Art der Gruppe begeistert: „Man braucht nicht geschwollen zu reden, einfach herausreden, das ist großartig.“ Auch für die Lebenshilfe-Beschäftigten war der Tag ein echtes Highlight. Marvin Hübsch, der im Alltag sonst Fahrzeuge in der Lebenshilfe-Pflege wäscht und von einer Karriere bei Polizei oder Zoll träumt, betonte, wie wichtig der Abbau von bürokratischen und körperlichen Hürden ist. Mit einer gelb-orangefarbenen Zollweste ausgestattet, fühlte er sich sofort wie ein echter Beamter. Sabine Meinecke, sonst in der Montage tätig, fasste es treffend zusammen: „Ich kann hier immer noch etwas dazulernen.“

Gegenbesuch in den Werkstätten

Der Aktionstag ist jedoch keine Einbahnstraße. Nur wenige Tage nach dem Besuch der Lebenshilfe-Gruppe treten die Zollbeamten den Gegenbesuch an. Sie werden ihrerseits in die verschiedenen Abteilungen der Werkstätten wechseln, um die dortigen Arbeitsprozesse, Maschinen und Herausforderungen kennenzulernen. Dieser beidseitige Perspektivwechsel stärkt das soziale Miteinander in der Region und setzt ein starkes Zeichen für gelebte Inklusion, die weit über den Landkreis Gifhorn hinaus Strahlkraft besitzt.

Häufige Fragen

Was ist das Ziel des Projekts „Schichtwechsel“?

Das Projekt fördert die Begegnung und den Austausch zwischen Menschen mit Behinderungen aus Werkstätten und Beschäftigten des allgemeinen Arbeitsmarktes. Es soll Barrieren abbauen, Inklusion erlebbar machen und neue Wege für den regulären Arbeitsmarkt öffnen.

Wie profitieren die Zollbeamten von diesem Tausch?

Die Mitarbeitenden des Hauptzollamts erhalten Einblicke in die Arbeitsweise und die Lebensrealität von Menschen mit Beeinträchtigungen. Der direkte, ungezwungene Dialog fördert das gegenseitige Verständnis und bereichert den Arbeitsalltag durch neue menschliche Erfahrungen.

Gibt es auch Gegenbesuche?

Ja, der Austausch ist gegenseitig. Wenige Tage nach dem Besuch beim Zoll besuchen die Beamten die Einrichtungen der Lebenshilfe, um dort ihrerseits in den Werkstätten mitzuarbeiten und die Arbeitsabläufe kennenzulernen.

Der erfolgreiche Schichtwechsel zwischen dem Hauptzollamt Braunschweig und der Lebenshilfe zeigt eindrucksvoll, wie gelungene Inklusion im Alltag aussehen kann. Solche Aktionen brechen starre Strukturen auf, schaffen unvergessliche Momente und beweisen, dass Vielfalt eine Bereicherung für jede Institution darstellt.