Der Traum vom Arztberuf beginnt für viele junge Menschen bereits im Kindesalter. Doch der Weg an die Universität ist steinig und von enormem Leistungsdruck geprägt. Wer in Deutschland Medizin studieren möchte, stößt angesichts strenger Zulassungsbeschränkungen schnell an Grenzen. Ein Blick auf das Verfahren zeigt, dass exzellente Schulnoten längst nicht mehr der einzige Schlüssel zum Erfolg sind. Auch im Wintersemester 2025/26 strömten Tausende Bewerber an die Universitäten, um einen der begehrten Studienplätze zu ergattern.
Der harte Weg an die Universitäten: Zahlen und Fakten
Die Universitätsmedizin in Deutschland steht seit Jahren unter einem massiven Ansturm. Allein an der renommierten Universitätsmedizin in Göttingen bewarben sich für das Wintersemester 2025/26 nach Angaben der Stiftung für Hochschulzulassung knapp 18.000 junge Menschen. Dem gegenüber stand jedoch ein Kontingent von nicht ganz 180 verfügbaren Plätzen. Diese drastische Diskrepanz verdeutlicht, wie hart der Verdrängungswettbewerb im akademischen Bereich ist.
Das Vergabesystem erlaubt es den Studieninteressenten zwar, bis zu zwölf verschiedene Bewerbungen abzugeben und diese individuell zu priorisieren. Dennoch führt der enorme Numerus Clausus (NC) bei vielen Abiturienten zunächst zu Ernüchterung. Wer nicht zu den absoluten Jahrgangsbesten gehört, muss alternative Wege beschreiten, um das ersehnte Studium der Humanmedizin aufzunehmen.
Hintergrund: Wenn die Abiturnote nicht ausreicht
Diesen steinigen Weg erlebte auch die 23-jährige Kathrin Gloger aus der Region. Ihr Berufswunsch stand bereits fest, als sie die Schulbank drückte – genauer gesagt seit der dritten Klasse, nachdem sie sich intensiv mit medizinischen Abläufen im Brockhaus beschäftigt hatte. Bereits in der achten Klasse startete sie als Schulsanitäterin, absolvierte parallel eine Ausbildung zur Sanitätshelferin und engagierte sich ehrenamtlich beim Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) in Braunschweig.
Doch nach dem Abitur folgte der Dämpfer: Mit einem Notendurchschnitt von 1,7 verpasste sie den klassischen Numerus Clausus deutlich. Um rein über die Abiturnote in Göttingen zugelassen zu werden, wäre ein herausragender Schnitt von 1,0 bis 1,2 erforderlich gewesen. Solche Hürden erinnern an die strukturellen Probleme in anderen gesellschaftlichen Bereichen, wie man sie beispielsweise aus Berichten über marode Problemimmobilien und deren Bewältigung kennt – etwa in der Groner Landstraße 9 in Göttingen, wo ebenfalls enorme Hürden überwunden werden müssen, wenn auch unter gänzlich anderen Vorzeichen.
Alternativen zum reinen Noten-NC
Gloger gab jedoch nicht auf. Sie recherchierte intensiv nach alternativen Zugangswegen und nutzte ein Bündel an Zusatzqualifikationen:
- Teilnahme am Medizinertest (Eignungstest für medizinische Studiengänge)
- Nachweis über langjähriges ehrenamtliches Engagement
- Absolvierung eines Freiwilligen Sozialen Jahrs (FSJ) in einer Notaufnahme
- Vorbereitung durch praktische Vorkenntnisse im Rettungsdienst
Diese Kombination zahlte sich aus. Im Frühjahr 2025 erhielt sie die Zusage für das Medizinstudium in Göttingen und studiert mittlerweile im vierten Semester. Solche flexiblen Wege gewinnen angesichts des Fachkräftemangels zunehmend an Bedeutung – ähnlich wie bahnbrechende Innovationen, etwa wenn es darum geht, mit modernen Methoden wie Medizinische Revolution aus Göttingen: Wie Lichtimpulse bald Gehörlose heilen könnten neue medizinische Horizonte zu eröffnen.
Praktische Erfahrung als entscheidender Vorteil
Dass Universitäten mittlerweile 70 Prozent der Studienplätze nicht mehr ausschließlich über den reinen Notendurchschnitt vergeben, bewerten viele Experten als längst überfällige Entwicklung. Die Stiftung für Hochschulzulassung bestätigt diesen Trend. Susanne Bollonia vom ASB Braunschweig betont die Bedeutung dieser sozialen und praktischen Kompetenzen: „Sehr wichtig ist, diese soziale Kompetenz zu erwerben und vieles auch präklinisch zu verstehen.“
Studierende wie Gloger profitieren im klinischen Alltag stark von ihrer Vorerfahrung. Ob Blutabnehmen während des FSJ oder erweiterte Handgriffe als Sanitätshelferin – das Verständnis für den Patienten als ganzheitlichen Menschen lässt sich kaum in einer klassischen Schulprüfung abfragen. Kritiker wie Gloger fragen deshalb völlig zu Recht, was eine Religions- oder Geschichtsnote über die tatsächliche Eignung für den Arztberuf aussagt.
Häufige Fragen
Welchen Abiturnotendurchschnitt benötigt man für ein Medizinstudium in Göttingen?
Rein über die Abiturnote lag der erforderliche Schnitt in den vergangenen Semestern bei extrem starken 1,0 bis 1,2. Da jedoch rund 70 Prozent der Plätze über Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH) und zusätzliche Eignungstests vergeben werden, haben auch Bewerber mit etwas schwächeren Noten realistische Chancen.
Welche Rolle spielen der Medizinertest und das FSJ?
Der Medizinertest (Eignungstest für medizinische Studiengänge) sowie praktische Tätigkeiten wie ein Freiwilliges Soziales Jahr oder eine Sanitätsdienstausbildung können im Rahmen der universitären Auswahlverfahren angerechnet werden und den entscheidenden Punktvorteil für die Zulassung bringen.
Wie viele Bewerber kommen auf einen Studienplatz in Göttingen?
Die Nachfrage übersteigt das Angebot massiv. Auf knapp 180 verfügbare Medizinstudienplätze kommen im Wintersemester regelmäßig rund 18.000 Bewerbungen aus ganz Deutschland.
Der Weg zum Arztberuf erfordert Ausdauer, Leidenschaft und die Bereitschaft, neue Wege jenseits des reinen Notendurchschnitts zu gehen. Das Beispiel aus Göttingen zeigt, dass sich Engagement und praktische Vorerfahrung am Ende auszahlen – zum Vorteil der Studierenden und des gesamten Gesundheitssystems.