Die Mühlenaller in Gifhorn könnte schon bald in einem völlig neuen Licht erstrahlen und für Bürgerinnen und Bürger sowie den Radverkehr massiv an Bedeutung gewinnen. Bislang hielt vor allem die angespannte Haushaltslage der Stadtverwaltung die Umsetzung dieses visionären Vorhabens zurück. Doch aktuelle Entwicklungen im September 2026 lassen die Verantwortlichen im Rathaus optimistisch in die Zukunft blicken, da sich nun unerwartete finanzielle Türen öffnen. Das innerstädtische Gewässer von der Konrad-Adenauer-Straße bis hin zur Bleiche soll endlich erlebbar gemacht werden und gleichzeitig die Fahrradinfrastruktur nachhaltig revolutionieren.

Ein Leuchtturmprojekt für die junge Generation

Der entscheidende Impuls für das Vorhaben kam durch eine gezielte Fördermaßnahme des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr. Unter dem Titel „Investive Modellvorhaben für den Radverkehr“ und dem dazugehörigen Aufruf „Junge Generation Fahrrad – aktiv mobil“ hatte die Stadt Gifhorn die Chance ergriffen, sich mit ihrem ambitionierten Konzept zu bewerben. Landesweit beziehungsweise bundesweit war die Konkurrenz mit insgesamt 62 teilnehmenden Städten enorm hoch. Umso erfreulicher ist die Nachricht, dass es Gifhorn unter die besten 30 Städte geschafft hat.

Die Fachjury bewertete das eingereichte Konzept als absolut förderwürdig und zeichnete es als echtes Leuchtturmprojekt aus. „Dank unseres Integrierten Stadtentwicklungskonzepts (ISEK) konnten wir einen starken Baustein aus der Schublade ziehen und damit schnell auf den Förderaufruf reagieren“, erklärt Gifhorns Bürgermeister Matthias Nerlich. Nun gilt es, die formalen Hürden zu meistern und die detaillierten Unterlagen für die erste Projektstufe fristgerecht bis zum 5. Oktober einzureichen. Die Spannung im Rathaus ist spürbar, denn das Projekt könnte das Gesicht der Kreisstadt nachhaltig verändern.

Das Konzept des Blau-Grünen Radwegs: Perlenkette für Kinder und Jugendliche

Hinter dem Begriff „Blau-Grüner Radweg“ verbirgt sich weit mehr als nur ein weiterer asphaltierter Streifen für den Velo-Verkehr. Im Herzen der Gifhorner Innenstadt befinden sich schätzungsweise 20 verschiedene Einrichtungen, deren Angebote gezielt auf Kinder und Jugendliche ausgerichtet sind. Zu dieser beeindruckenden Infrastruktur gehören unter anderem:

  • Zwei Grundschulen und drei Kindertagesstätten
  • Diverse Sport- und Freizeitanlagen sowie Tennisplätze
  • Das beliebte Freizeitbad Allerwelle und die lokale Skaterbahn
  • Kulturelle und kommerzielle Anlaufpunkte wie das Kino, Eisdielen und das Traditionshaus Kaufhaus Schütte
  • Der idyllische Spielplatz am Schlosssee sowie das „Grüne Klassenzimmer“ direkt an der Mühlenaller

Das Hauptproblem bisher: All diese wichtigen Anlaufpunkte werden von dem stark frequentierten City-Ring umschlossen. Bislang war ein gefahrloser, barrierearmer Zugang für den Nachwuchs kaum realisierbar. Genau hier setzt die Planung der Stadtverwaltung an.

Hintergrund: Wie die Mühlenaller-Route die Mobilität verändern soll

Ideengeberin Maike Klesen, die als Fachbereichsleiterin für Stadtentwicklung fungiert, hat ein System entworfen, bei dem sich die genannten Einrichtungen wie an einer Perlenkette aufreihen. Der neue Weg soll abseits des stressigen Autoverkehrs verlaufen und nicht nur Radfahrenden, sondern ausdrücklich auch Fußgängern zugutekommen.

Die geplante Trassenführung sieht dabei spektakuläre Abschnitte vor:

  • Startpunkt an der Gebrüder Grimm-Schule mit einer neu zu errichtenden Brücke über die Aller rüber zur Bleiche.
  • Umwandlung des Knickwalls in eine offizielle Fahrradstraße.
  • Ein innovativer Steg-Radweg entlang der Mühlenaller, der am Kino vorbeiführt.
  • Unterquerung des Steinwegs sowie der Konrad-Adenauer-Straße, um nahtlos zum Schlosssee und zur Allerwelle zu gelangen.

Besonders der geplante Steg-Radweg gilt als architektonisches Highlight. Dieser soll losgelöst von den alten Spundwänden fast auf Höhe des Wasserspiegels geführt werden und eine Länge von 350 bis 400 Metern umfassen. Dadurch entsteht ein völlig neues Stadtgefühl – Gifhorn präsentiert sich künftig noch stärker als lebendige Stadt am Wasser.

Finanzierung und Zeitplan bis 2032

Ein solches Großprojekt ist natürlich mit erheblichen Investitionen verbunden. Die Gesamtkosten für den Blau-Grünen Radweg werden auf 5,8 Millionen Euro beziffert. Dank der erfolgreichen Bewerbung winkt jedoch eine enorme Entlastung für den städtischen Haushalt: Die Förderquote des Bundes liegt bei stattlichen 75 Prozent, was einer Summe von rund 4,3 Millionen Euro entspricht. Lediglich 1,5 Millionen Euro müsste die Stadt Gifhorn als Eigenmittel beisteuern.

Um den städtischen Etat nicht zu überlasten, ist eine Realisierung in mehreren Teilabschnitten bis zum Jahr 2032 angedacht. „Wir müssten also nichts übers Knie brechen und könnten die Ausgaben über mehrere Jahre strecken“, betont Bürgermeister Nerlich. Stadtbaurat Oliver Bley lobte die hervorragende Arbeit der Verwaltung und blickt optimistisch nach vorn. Sollte die offizielle Förderzusage eintrudeln, könnten die ersten Arbeiten im Laufe des Jahres 2027 starten, sofern die politischen Gremien zuvor die entsprechenden Beschlüsse fällen.

Häufige Fragen

Wer darf den gefertigten Blau-Grünen Radweg nutzen?

Das Konzept sieht vor, dass die neue Verbindung primär für den Radverkehr konzipiert ist, jedoch ausdrücklich auch von Fußgängern genutzt werden darf. Damit entsteht ein barrierefreier und sicherer Korridor für alle Langsamverkehrsteilnehmer.

Wie hoch ist der finanzielle Eigenanteil der Stadt Gifhorn?

Von den Gesamtkosten in Höhe von 5,8 Millionen Euro übernimmt das Bundesverkehrsministerium rund 4,3 Millionen Euro (75 %). Die Stadt Gifhorn muss Eigenmittel in Höhe von etwa 1,5 Millionen Euro aufbringen, die durch die Streckung des Projekts bis 2032 gut planbar sind.

Wann könnte frühestens mit den Baumaßnahmen begonnen werden?

Nachdem die erste Hürde im Auswahlverfahren genommen wurde, wartet die Stadt auf die endgültigen Ergebnisse der Förderprüfung. Bei einer positiven Bewilligung und nach entsprechenden politischen Beschlüssen könnten die Baumaßnahmen im Jahr 2027 anlaufen.

Der geplante Blau-Grüner Radweg an der Mühlenaller zeigt eindrucksvoll, wie vorausschauende Stadtplanung und Bundesförderungen Hand in Hand gehen können, um die Lebensqualität in Gifhorn nachhaltig zu steigern. Mit der Aussicht auf erhebliche finanzielle Unterstützung steht einem sicheren, modernen und naturnahen Mobilitätsnetz für die junge Generation im Landkreis nichts mehr im Weg.