Einleitung und aktuelle Lage

Wenn am 25. Oktober 2026 Eintracht Braunschweig im Stadion an der Hamburger Straße auf den großen Rivalen Hannover 96 trifft, blickt ganz Fußball-Niedersachsen gespannt auf das bevorstehende Duell. Solche brisanten Begegnungen erfordern von den Sicherheitskräften stets einen massiven und kräftezehrenden Aufwand. Während in anderen Bundesländern wie Bremen bereits direkte Gebührenbescheide für den erhöhten Personaleinsatz verschickt werden, geht Niedersachsen einen anderen Weg. Viele Sportfans und Steuerzahler im Landkreis Gifhorn und darüber hinaus fragen sich deshalb, wie diese Praxis rechtlich begründet ist und wer letztlich für die enormen Aufwendungen aufkommt.

Rechtliche Hürden im Landesrecht

Die Debatte über eine finanzielle Beteiligung von Profivereinen an Großeinsätzen der Polizei wird seit Jahren intensiv geführt. Das Land Bremen setzt hierbei auf eine direkte Weitergabe der Mehrkosten an den Deutschen Fußball-Bund (DFB), der die Forderungen gebührenrechtlich an die Klubs weiterleitet. Auch im Saarland wird ein solches Modell geprüft. In Niedersachsen stößt ein vergleichbares Vorgehen jedoch auf unüberwindbare rechtliche Hürden.

Auf eine Anfrage an das Niedersächsische Ministerium für Inneres und Sport wurde klargestellt, dass die Landesregierung prinzipielle Vorschläge zur Entlastung zwar durchaus befürwortet. Allerdings fehlt es schlichtweg an einer entsprechenden gesetzlichen Grundlage:

  • Es existiert keine Rechtsnorm im Landesrecht, die das Erheben spezieller Gebühren für sportliche Risikospiele rechtfertigt.
  • Die Schaffung eines solchen Gesetzes müsste rechtssicher und verfassungskonform gestaltet sein, was aktuell nicht gegeben ist.
  • Stattdessen setzt die Landesregierung vorerst auf bundesweite Diskussionsrunden und alternative Modelle.

Hintergrund

Die Diskussion erhält durch die anhaltende Debatte der Präsidentenkonferenz der Rechnungshöfe neuen Aufschwung. Diese empfiehlt seit längerer Zeit, gewinnorientierte Veranstalter von risikoreichen Großevents an den staatlichen Sicherheitskosten partizipieren zu lassen. Für das Innenministerium in Hannover steht dabei allerdings ein zentraler Aspekt im Vordergrund: Die Bekämpfung von Gewalt und Randale hat absoluten Vorrang vor reinen Finanzierungsfragen.

Das Ministerium betont, dass finanzielle Beteiligungen oder gar hohe Strafzahlungen der Verbände das Kernproblem in den Stadien nicht automatisch lösen. Vielmehr müssen die Klubs und der DFB selbst deutlich nachbessern. Wenn die Polizei personelle Defizite bei mangelhaften Sicherheitskonzepten ausgleichen muss, sei dies auf Dauer nicht tragbar. Die Veranstalter stehen in der Verantwortung, für geordnete Abläufe und einen sicheren Rahmen zu sorgen.

Diskussion um alternative Modelle auf Bundesebene

Da ein direkter Gebührenbescheid auf Landesebene rechtlich ausscheidet, blickt man in Hannover gespannt nach Berlin und Frankfurt. Dort wird unter anderem über die Etablierung eines speziellen Fonds nachgedacht, in den sowohl die Deutsche Fußball Liga (DFL) als auch der DFB einzahlen könnten. Ob ein solches Instrument die erhoffte Entlastung bringt, bleibt abzuwarten. Das Land kündigte an, sich an diesen Prozessen weiterhin konstruktiv beteiligen zu wollen.

Zudem lassen sich die genauen Mehrkosten für einzelne Begegnungen wie das Derby zwischen Braunschweig und Hannover statistisch kaum pauschal beziffern. Der tatsächliche Aufwand hängt stets von einer individuellen Gefährdungsbewertung ab, in die zahlreiche Variablen einfließen:

  • Die konkrete bauliche Beschaffenheit und Lage des Stadions.
  • Die zu erwartende Anzahl an Anhängern beider Lager.
  • Komplexe An- und Abreisewege sowie mögliche Routenüberschneidungen.
  • Parallele Großveranstaltungen in der Region, die zusätzliche Kräfte binden.

Häufige Fragen

Warum kann Niedersachsen keine Rechnungen für Polizeieinsätze schreiben?

Im niedersächsischen Landesrecht fehlt aktuell die notwendige gesetzliche Grundlage, um von den Fußballvereinen direkte Gebühren für den erhöhten Sicherheitsaufwand bei Risikospielen einzufordern.

Welche Alternativen werden stattdessen diskutiert?

Das Land setzt auf bundesweite Lösungen wie beispielsweise einen gemeinsamen Fonds, in den die DFL und der DFB einzahlen könnten, um sich an den Kosten zu beteiligen.

Welches Ziel verfolgt das Innenministerium primär?

Neben der Kostenfrage steht vor allem die Eindämmung von Gewalt, Pyrotechnik und Randale im Fokus. Die Vereine werden aufgefordert, ihre Sicherheitskonzepte drastisch zu verbessern.

Die Debatte um die Verteilung der Kosten bei Hochrisikospielen wird die Politik und den Profifußball auch in den kommenden Monaten intensiv beschäftigen. Während andere Bundesländer Vorreiterrollen einnehmen, bleibt Niedersachsen vorerst an strenge rechtliche Grenzen gebunden, während der Fokus weiterhin auf wirksamer Gewaltprävention in den Stadien liegt.