Ein neues Sicherheitskonzept für Gifhorns Innenstadt
Wer sich in Gifhorn mit dem Fahrrad bewegt, kennt das Dilemma: Die Fußgängerzone ist für Radler tabu, und der direkte Weg durch das Stadtzentrum gestaltet sich oft als Herausforderung. In den vergangenen Jahren hat sich der sogenannte City-Ring als die bevorzugte Route für Radfahrer etabliert. Um diesen Bereich für alle Verkehrsteilnehmer sicherer und attraktiver zu gestalten, hat die Stadtverwaltung nun ein umfangreiches Maßnahmenpaket vorgestellt. Wie aus den Planungen vom Mai 2026 hervorgeht, liegt der Fokus dabei auf einer klaren Trennung der Verkehrsströme, ohne den fließenden Autoverkehr durch zusätzliche Einschränkungen zu belasten.
Stadtbaurat Oliver Bley betont, dass man Lösungen gefunden habe, die sowohl für Radfahrende als auch für Fußgänger deutliche Verbesserungen bringen, ohne in den Kfz-Verkehr einzugreifen. Autofahrer können also aufatmen: Es sind weder neue Einbahnstraßen noch zusätzliche Tempobeschränkungen vorgesehen. Die Umsetzung der geplanten Maßnahmen soll bei einem positiven politischen Beschluss über mehrere Jahre hinweg erfolgen.
Hintergrund
Der City-Ring, bestehend aus der Konrad-Adenauer-Straße, Lüneburger Straße, Celler Straße, Allerstraße, Schillerplatz und Fallersleben Straße, bildet das verkehrliche Rückgrat der Gifhorner Innenstadt. Da Radfahrer aufgrund der restriktiven Regeln in der Fußgängerzone auf diese Straßen ausweichen, stieg der Bedarf an einer Infrastruktur, die den gestiegenen Anforderungen gerecht wird. Die Stadtverwaltung reagiert damit auf eine langjährige Entwicklung, in der die Unfallgefahr und Konfliktpotenziale zwischen den Verkehrsteilnehmern zunahmen. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Konrad-Adenauer-Straße und der Celler Straße, die als Hauptschlagadern für den Radverkehr identifiziert wurden.
Geplante Maßnahmen im Detail
Das Konzept der Stadtverwaltung sieht eine gezielte Aufwertung der Infrastruktur vor. Während einige Bereiche grundlegend umgestaltet werden, bleiben andere Abschnitte vorerst unberührt, da hier komplexe Eigentumsverhältnisse oder umfangreiche Neuordnungen im Weg stehen.
Konrad-Adenauer-Straße: Fokus auf Trennung
Die Konrad-Adenauer-Straße soll als zentrale Achse ausgebaut werden. Die Planungen sehen hier folgende Schritte vor:
- Bereich Rotaller bis Mühlenaller: Der bestehende gemeinsame Geh- und Radweg wird in einen drei Meter breiten Radweg für Zweirichtungsverkehr und einen räumlich abgesetzten, 2,30 Meter breiten Gehweg umgewandelt.
- Bereich Mühlenaller bis altes Sparkassengelände: Hier soll der Geh- und Radweg in den angrenzenden Grünflächen auf eine Breite von 3 bis 3,50 Meter ausgebaut werden.
- Zeitplan und Kosten: Die Planungsphase ist für 2027 angesetzt, die Umsetzung könnte 2028/2029 folgen. Die Kosten belaufen sich auf ca. 730.000 Euro, wobei Förderquoten von bis zu 80 Prozent angestrebt werden.
Celler Straße und Stadthalle
In der Celler Straße ist eine markante Neuerung geplant: Ein rotmarkierter Schutzstreifen (1,75 bis 2 Meter breit) soll den Radverkehr in Richtung Stadthalle sicherer leiten. Um Platz für diese Maßnahme zu schaffen, werden Längsparkstände zurückgebaut und Schrägparkplätze in Längsparkplätze umgewandelt. Dies verbessert zudem die Sichtverhältnisse in den Kurvenbereichen.
Auch der Kreisverkehr vor der Stadthalle wird saniert. Hierbei sollen:
- Die Asphaltdecke erneuert werden.
- Neue Fußgängerüberwege an allen drei Armen des Kreisels entstehen.
- Spezielle Radverkehrsfurten eingerichtet werden, die Radfahrern eine sichere Führung bieten, ohne sie zur Benutzung zu zwingen.
Die Stadt kalkuliert hier mit rund 600.000 Euro, wobei auch hier mit einer Förderung von bis zu 75 Prozent gerechnet wird. Weitere Informationen zur allgemeinen Verkehrslage finden Sie auch in unserem Archiv zur Verkehrsentwicklung in Gifhorn.
Häufige Fragen
Werden durch die Maßnahmen Parkplätze in der Celler Straße komplett gestrichen?
Nein, es findet lediglich eine Umgestaltung statt. Die Längsparkstände am nördlichen Fahrbahnrand werden teilweise zurückgebaut und Schrägparkplätze zu Längsparkplätzen umgewandelt, um Platz für den neuen Schutzstreifen zu schaffen.
Warum werden die Allerstraße und die Fallerslebener Straße nicht berücksichtigt?
Für diese Straßen wäre eine umfassende verkehrliche Neuordnung notwendig, die derzeit nicht geplant ist. Die Stadtverwaltung konzentriert sich in diesem Paket auf die Abschnitte, in denen ohne massive Eingriffe in die Fahrbahnstruktur schnelle Verbesserungen möglich sind.
Müssen Radfahrer den neuen Kreisverkehr an der Stadthalle zwingend nutzen?
Nein, die geplanten Radverkehrsfurten unterliegen keiner Benutzungspflicht. Radfahrer haben weiterhin die Wahl, den Kreisverkehr gemeinsam mit dem Kfz-Verkehr zu befahren, so wie es aktuell bereits der Fall ist.
Die geplanten Maßnahmen stellen einen wichtigen Schritt dar, um die Verkehrssicherheit in Gifhorn nachhaltig zu erhöhen. Durch die gezielte Trennung von Fußgängern und Radfahrern sowie die Markierung von Schutzstreifen wird der City-Ring für alle Nutzergruppen attraktiver. Während die Umsetzung noch einige Jahre in Anspruch nehmen wird, zeigt das Konzept eine klare Vision für eine fahrradfreundlichere Innenstadt, die den Bedürfnissen der Bürger gerecht wird.
