Die Wärmewende im Landkreis Gifhorn nimmt Fahrt auf und wird nun von der strategischen Planung in die konkrete Praxis überführt. Mit dem offiziellen Start einer umfassenden Voruntersuchung widmen sich die Verantwortlichen einem zentralen Stadtteil. Im Fokus stehen dabei der Bereich rund um den Alten Postweg sowie der wichtige Bildungscampus. Ziel ist es, eine zukunftsfähige, klimafreundliche und vor allem wirtschaftlich tragfähige Wärmeversorgung für dieses wichtige Areal zu entwickeln. Dass dieses Vorhaben auf breite Zustimmung stößt, zeigt die hochkarätige Allianz aus gleich fünf starken Institutionen der Region, die ihre Kräfte bündeln, um den Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte gemeinsam zu begegnen.
Ein starkes Bündnis für die lokale Energiezukunft
Im Haus der Wirtschaft versammelten sich Ende August Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung, um den offiziellen Startschuss für das Projekt zu geben. Die Initiative ist das Ergebnis einer engen interkommunalen und branchenübergreifenden Zusammenarbeit. An dem Tisch sitzen Akteure, die das Gesicht der Stadt und des Landkreises maßgeblich prägen:
- Die Stadt Gifhorn mit Bürgermeister Matthias Nerlich und Stadtbaurat Oliver Bley
- Der Landkreis Gifhorn, vertreten durch Ute Spieler
- Die Gemeinnützige Bildungs- und Kultur GmbH des Landkreises durch Britta Sytnik
- Die Gifhorner Wohnungsbau-Genossenschaft eG (GWG) mit Geschäftsführer Andreas Otto
- Die Stadtwerke Gifhorn GmbH, vertreten durch die Geschäftsführer Olaf Koschnitzki und Johannes-Jürgen Laub
Diese breite Beteiligung unterstreicht, dass die Transformation des Wärmemarktes eine klassische Gemeinschaftsaufgabe darstellt. Durch die Bündelung von Fachwissen, Immobilienbestand und infrastruktureller Kompetenz soll ein ganzheitlicher Blick auf das Quartier gewährleistet werden.
Hintergrund
Das aktuelle Projekt fällt in eine Phase, in der Kommunen deutschlandweit und auch im Landkreis Gifhorn ihre Hausaufgaben im Bereich der Energiewende machen müssen. Die jetzt gestartete Detailuntersuchung baut direkt auf der im Juni verabschiedeten kommunalen Wärmeplanung der Stadt Gifhorn auf. Dieses strategische Gesamtkonzept hatte das Ziel, für das gesamte Stadtgebiet aufzuzeigen, welche Gebiete sich grundsätzlich für welche Form der zukünftigen Wärmeversorgung eignen könnten. Dabei wurden bereits grobe Potenziale für erneuerbare Energien, Einsparpötenziale und mögliche Wärmenetze ermittelt.
Eine solche gesamtstädtische Planung liefert jedoch naturgemäß nur die Flughöhe für die Makroperspektive. Ob sich ein bestimmtes Quartier – wie hier der Alte Postweg und der Bildungscampus – tatsächlich für den Bau eines leitungsgebundenen Wärmenetzes eignet oder ob dezentrale Lösungen wirtschaftlicher sind, lässt sich erst durch eine vertiefte Betrachtung klären. Genau diese Lücke schließt die beauftragte Voruntersuchung. Sie soll belastbare Daten liefern, um Fehlinvestitionen zu vermeiden und eine verlässliche Entscheidungsgrundlage für die kommenden Jahre zu schaffen.
Ergebnisoffene Analyse und Technologieoffenheit
Ein zentraler Aspekt des Vorhabens ist die strikte Ergebnisoffenheit. Die mit der Untersuchung beauftragte EKP Energie Klima Plan GmbH – die bereits an der übergeordneten Wärmeplanung beteiligt war – wird verschiedene Szenarien entwickeln und einem Härtetest unterziehen. In die engere Auswahl kommen dabei:
- Zwei unterschiedliche Varianten für ein potenzielles Wärmenetz
- Eine moderne Einzelversorgung der im Quartier befindlichen Gebäude
- Der mögliche Weiterbetrieb bereits bestehender Anlagen vor Ort
Um die Tragfähigkeit zu garantieren, erfolgt für alle Optionen eine detaillierte Wirtschaftlichkeitsabschätzung über einen Zeitraum von 20 Jahren. Damit wird sichergestellt, dass nicht nur kurzfristige Investitionskosten, sondern auch die langfristigen Betriebskosten und die Bezahlbarkeit für Mieter und Eigentümer im Blick behalten werden. Die Kosten für diese wichtige Bestandsaufnahme teilen sich alle fünf Projektpartner zu gleichen Teilen auf.
Die Bedeutung für Mieter und regionale Immobilien
Besonders für die Wohnungswirtschaft hat die Bezahlbarkeit oberste Priorität. Vertreter der GWG betonen, dass es bei der Wärmewende in Gifhorn keine vorschnellen Festlegungen geben darf. Technologische Offenheit schützt die Verbraucher vor unkalkulierbaren Kostensteigerungen. Da im Untersuchungsgebiet ganz unterschiedliche Gebäude, Immobilienstrukturen und Nutzungsarten aufeinandertreffen – von Bildungseinrichtungen bis hin zu Wohnblöcken –, bietet das Quartier ideale Voraussetzungen, um über den Tellerrand einzelner Liegenschaften hinauszuschauen. Die räumliche Nähe schafft Synergien, die bei einer dezentralen Betrachtung einzelner Häuser ungenutzt bleiben würden.
Häufige Fragen
Wird im Quartier Alter Postweg nun definitiv ein Wärmenetz gebaut?
Nein. Die jetzt gestartete Voruntersuchung dient ausdrücklich noch nicht der Entscheidung zum Bau eines Wärmenetzes. Zunächst werden lediglich verschiedene technische und wirtschaftliche Optionen ergebnisoffen geprüft und miteinander verglichen.
Welche Institutionen tragen die Verantwortung und die Kosten für das Projekt?
Fünf lokale Partner teilen sich die Kosten und die Verantwortung zu gleichen Teilen: die Stadt Gifhorn, der Landkreis Gifhorn, die Stadtwerke Gifhorn, die Gifhorner Wohnungsbau-Genossenschaft (GWG) und die Gemeinnützige Bildungs- und Kultur GmbH.
Wie geht es nach dem Abschluss der Voruntersuchung weiter?
Die Ergebnisse werden allen Projektpartnern gemeinsam zur Verfügung gestellt. Auf Basis dieser Daten wird entschieden, ob das Vorhaben vertieft wird – beispielsweise durch eine detaillierte Machbarkeitsstudie, die dann als Grundlage für konkrete Investitionsentscheidungen dienen könnte.
Die Energiewende im Landkreis Gifhorn vollzieht sich somit nicht im Hauruck-Verfahren, sondern basiert auf solider Handwerksarbeit, enger Kooperation und fundierten Zahlen. Der Schritt im Quartier Alter Postweg und am Bildungscampus zeigt beispielhaft, wie lokale Akteure Verantwortung übernehmen und die Transformation pragmatisch und bürgernah gestalten. Die Ergebnisse der Untersuchung werden zeigen, welcher Weg für Gifhorns Zukunft der wirtschaftlichste und nachhaltigste ist.