Der Landkreis Gifhorn rückt möglicherweise ins Zentrum einer hochmodernen Rohstoffsuche für die Energiewende. Wie offizielle Behördenangaben vom September 2026 bestätigen, hat das zuständige Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) grünes Licht für ein gigantisches Erkundungsgebiet gegeben. Die Erlaubnis betrifft die Suche nach dem begehrten Alkalimetall Lithium sowie weiteren wertvollen Mineralien in Norddeutschland. Für die Region bedeutet dies eine spannende Entwicklung, die sowohl Chancen als auch viele Fragen bei den Bürgerinnen und Bürgern aufwirft.

Das Erlaubnisfeld Niendorf im Detail

Die offizielle Zuteilung des sogenannten Erlaubnisfeldes mit der Bezeichnung „Niendorf“ an die EveChem GmbH aus dem bayerischen Grünwald ist zum 1. Oktober 2026 wirksam geworden. Die Dimensionen dieses Areals sind beachtlich und erstrecken sich über administrative Grenzen hinweg.

  • Flächengröße: Das Gebiet umfasst stolze 650,5 Quadratkilometer.
  • Geografische Lage: Die Umrisse erstrecken sich in Nord-Süd-Richtung zwischen den Regionen Uelzen und Hankensbüttel.
  • Betroffene Kommunen: Neben dem Landkreis Gifhorn sind auch Teile von Lüchow-Dannenberg, Uelzen, Wittingen sowie diverse Samtgemeinden involviert.
  • Befristung: Die rechtliche Gültigkeit der Erlaubnis ist zunächst auf exakt zwei Jahre bis zum 30. September 2028 angesetzt.

Das Unternehmen selbst ist in der Region kein völlig unbeschriebenes Blatt. Die EveChem GmbH hält bereits direkt angrenzende beziehungsweise nahegelegene Rechte in den Bereichen Clenze und Ehra, wodurch nun ein größerer strategischer Verbund entsteht.

Hintergrund: Warum Lithium aus Niedersachsen?

Der globale Hunger nach Lithium ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen. Das Leichtmetall gilt als unverzichtbarer Grundstoff für die Produktion von leistungsstarken Akkumulatoren. Diese Batterien stecken nicht nur in nahezu jedem modernen Elektroauto, sondern werden auch in großem Stil für stationäre Stromspeicher von Solaranlagen und Photovoltaik-Parks benötigt.

Bislang stammt ein Großteil des weltweit gehandelten Lithiums aus Ländern wie Australien oder Südamerika, wo die Gewinnung oft mit enormen ökologischen Belastungen – etwa durch den massiven Wasserverbrauch in riesigen Verdunstungsbecken – einhergeht. Die Idee, den Rohstoff im heimischen Niedersachsen zu fördern, soll hier komplett neue Maßstäbe setzen. Dabei setzen Experten auf eine Methode, die die Umwelt im Landkreis Gifhorn weitgehend schonen soll.

Die Methode des Bohrlochbergbaus

Anders als man es von klassischen Bergwerken oder dem Tagebau kennt, soll die Gewinnung in Norddeutschland über den sogenannten Bohrlochbergbau erfolgen. Das Verfahren ähnelt stark der bereits jahrzehntelang erprobten und etablierten Erdgasförderung in der Region:

  • In extremen Tiefen zwischen 3000 und 5000 Metern lagern geologische Formationen mit tiefem Thermalwasser.
  • Dieses stark mineralhaltige Wasser wird über geschlossene Rohrsysteme an die Erdoberfläche geleitet.
  • An der Oberfläche entstehen lediglich kleinräumige technische Anlagen.
  • In einem geschlossenen Kreislauf wird das Lithium direkt aus der Sole abgeschieden.
  • Das verbleibende Thermalwasser wird anschließend wieder in seine ursprünglichen Gesteinsschichten zurückgepumpt.

Das Landesamt betont, dass großflächige Zerstörungen der Landschaft, wie man sie aus anderen Erdteilen kennt, hierbei ausgeschlossen sind. Neben Lithium erstreckt sich die offizielle Erlaubnis übrigens auch auf die Suche nach weiteren Substanzen wie Brom, Kalium, Mangan, Sole und Strontium zu gewerblichen Zwecken.

Wie geht es nach der Vergabe weiter?

Bevor das Unternehmen auch nur einen Spaten stechen oder konkrete technische Erkundungen auf dem Gebiet des Landkreises Gifhorn vornehmen darf, sind zahlreiche bürokratische und gesetzliche Hürden zu nehmen. Die aktuelle Vergabe stellt lediglich die rechtliche Grundlage dar, überhaupt nach dem Rohstoff zu suchen. Sie bedeutet keineswegs, dass sofort mit Bohrungen begonnen wird.

Im Vorfeld der Entscheidung wurden bereits die betroffenen Landkreise, Städte und Samtgemeinden – darunter Gifhorn, Wittingen und Hankensbüttel – von der Behörde angehört und um ihre fachlichen Stellungnahmen gebeten. Für tatsächlich physische Aufsuchungshandktionen in der Natur muss die EveChem GmbH im nächsten Schritt gesonderte bergrechtliche Betriebspläne einreichen. Diese unterliegen wiederum strengen Zulassungsverfahren, bei denen die Öffentlichkeit und die lokalen Behörden erneut umfassend beteiligt werden müssen. Der Umweltschutz und die Sicherheit von Grundwasser und Natur stehen dabei stets an oberster Stelle der behördlichen Prüfungen.

Häufige Fragen

Wird im Landkreis Gifhorn jetzt direkt nach Lithium gebohrt?

Nein. Die aktuelle Erlaubnis des LBEG gibt der Firma lediglich das grundsätzliche Recht zur Aufsuchung auf dem Papier. Konkrete Arbeiten in der Natur sind damit noch nicht gestattet. Dafür sind erst weitere Betriebspläne und entsprechende Zulassungsverfahren notwendig.

Welche Gefahren drohen für die Natur und das Grundwasser?

Nach Angaben der Experten ist das Verfahren des Bohrlochbergbaus mit der Erdgasförderung vergleichbar. Es finden keine offenen Tagebaue oder umweltschädlichen Verdunstungsbecken statt. Das Thermalwasser wird in großer Tiefe gefördert, das Lithium wird oberirdisch in geschlossenen Anlagen abgetrennt, und das Wasser fließt in dieselben tiefen Schichten zurück. Das oberflächliche Grundwasser soll dadurch geschützt bleiben.

Welche Mineralien dürfen außer Lithium noch gesucht werden?

Die offizielle Erlaubnis für das Feld Niendorf umfasst neben Lithium ausdrücklich auch die Suche nach Brom, Kalium, Mangan, Sole und Strontium, sofern diese gewerblich verwertbar sind.

Die Entwicklungen rund um das Erlaubnisfeld Niendorf zeigen einmal mehr, dass der Landkreis Gifhorn nicht nur ein attraktiver Lebens- und Naturraum ist, sondern auch eine wichtige Rolle bei der zukünftigen Rohstoffversorgung für die deutsche Energiewende spielen könnte. Wir von „Nadu Gifhorn“ werden die weiteren Schritte, die politischen Diskussionen in den Kommunen sowie die kommenden Anträge des Unternehmens für Sie weiterhin genau beobachten und zeitnah berichten.