Es sollte ein absolutes Leuchtturmprojekt für die Region zwischen Hannover, Peine und dem Landkreis Gifhorn werden: Der kanadische Konzern McCain hatte gigantische Pläne am Mittellandkanal im niedersächsischen Mehrum. Doch nun folgt die ernüchternde Kehrtwende. Das Unternehmen hat offiziell bekannt gegeben, das Vorhaben nicht weiterzuverfolgen. Damit zerschlagen sich vorerst die Hoffnungen auf Hunderte neue Arbeitsplätze und starke Impulse für die heimische Landwirtschaft, was auch in den Nachbarlandkreisen für große Enttäuschung sorgt.

Die Hintergründe des Aus für das Großprojekt

Die Entscheidung des weltweit größten Herstellers von Tiefkühl-Pommes und Kartoffelprodukten kam für viele Beobachter überraschend, auch wenn sich wirtschaftliche Wolken bereits länger am Horizont zusammenzuziehen schienen. Ursprünglich war geplant, am Standort in Mehrum eine Investitionssumme von bis zu einer Milliarde Euro zu stemmen. Damit verbunden wäre die Schaffung von bis zu 650 neuen Arbeitsplätzen gewesen. Der gesamte Wirtschaftsraum, der wirtschaftlich eng mit der Region Gifhorn, Braunschweig und Hannover verflochten ist, hätte von dieser Ansiedlung massiv profitieren sollen.

Gründe für die Projekt-Aussetzung

Für den Baustopp nannte das Management von McCain eine Reihe von gewichtigen wirtschaftlichen Faktoren:

  • Massiv gestiegene Projektkosten als direkte Folge der anhaltenden Inflation.
  • Marktüberkapazitäten im Bereich verarbeiteter Kartoffelprodukte.
  • Eine spürbar schwächere Nachfrage in entscheidenden Absatzmärkten.

Nach einer detaillierten Prüfung der globalen Wettbewerbsfähigkeit und der langfristigen Rentabilität sah sich das Unternehmen gezwungen, die Notbremse zu ziehen. Dennoch gibt es einen kleinen Lichtblick: Das Areal am Mittellandkanal verbleibt im Eigentum von McCain, und das Land Niedersachsen hofft auf alternative Investitionen in der Zukunft.

Wirtschaftliche Folgen und Reaktionen in der Region

Die Reaktionen auf das abrupte Ende der Fabrikpläne fallen im Umland höchst unterschiedlich aus. Vertreter der Kommunalpolitik sprachen von einer vergebenen Chance von historischem Ausmaß. In einem gemeinsamen Statement äußerten sich die Verantwortlichen aus Peine und Hohenhameln tief betroffen. Das Projekt hätte als starker Motor für den gesamten mittelständischen Sektor und das Handwerk gedient. Auch für Pendler aus dem Landkreis Gifhorn, die im Großraum Peine und Hannover arbeiten, wäre diese Industrieansiedlung von enormem Interesse gewesen.

Frustration bei Landwirten und Kritik an Rahmenbedingungen

Besonders groß ist die Enttäuschung beim landwirtschaftlichen Berufsstand. Karl-Friedrich Wolff von der Sahl, der als Vorsitzender des Niedersächsischen Landvolks Braunschweiger Land die Interessen der Bauern vertritt, fand deutliche Worte. Er sprach von einem bereits zweiten industriellen Fiasko in der Region innerhalb kurzer Zeit – im Mai war bereits der geplante Bau einer Erbsenprotein-Fabrik in der Region Hannover gescheitert. Wolff von der Sahl forderte die Landespolitik auf, dringend an der Reduzierung der überhöhten Baukosten und der allgemeinen Kostenstruktur in Niedersachsen zu arbeiten, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

Widerstand aus der Nachbarschaft

Während die einen trauern, zeigen sich andere erleichtert. Bürgerinitiativen hatten den Kampf gegen das Mega-Projekt jahrelang mit harten Bandagen geführt. Martin Jurgeit, der stellvertretende Vorsitzende der Bürgerinitiative „Lebenswertes Hämelerwald“, wertet den Rückzug des Konzerns als klaren Erfolg des organisierten Protests. Im Fokus der Kritik stand vor allem die massive Zunahme des Schwerlastverkehrs, den die Fabrik unweigerlich in die angrenzenden Wohngebiete gebracht hätte. Der Druck der Basis habe maßgeblich dazu beigetragen, das Vorhaben zu Fall zu bringen.

Hintergrund

Das Vorhaben in Mehrum beschäftigte Politik, Wirtschaft und Anwohner über mehrere Jahre hinweg. Die Ansiedlung einer derart großen industriellen Verarbeitungsanlage galt als mustergültig für die Verknüpfung von moderner Logistik am Mittellandkanal und regionaler landwirtschaftlicher Produktion. Dass das Projekt nun trotz intensiver Unterstützung durch das niedersächsische Wirtschaftsministerium unter der Leitung von Minister Grant Hendrik Tonne scheiterte, wirft ein Schlaglicht auf die aktuellen Schwierigkeiten großer Industrieinvestitionen in Deutschland. Hohe Energiepreise, strenge Auflagen und bürokratische Hürden erschweren zunehmend die Realisierung von Zukunftsprojekten, was auch für künftige Ansiedlungsvorhaben im östlichen Niedersachsen eine Warnung darstellt.

Häufige Fragen

Was passiert nun mit dem Grundstück am Mittellandkanal?

Das Areal in Mehrum bleibt im Besitz des kanadischen Konzerns McCain. Das Unternehmen hat bislang nicht signalisiert, das Land verkaufen zu wollen. Die Landesregierung hofft in künftigen Gesprächen darauf, alternative Nutzungsmöglichkeiten oder kleinere Investitionen auf dem Gelände zu etablieren.

Gibt es noch Hoffnung auf neue Arbeitsplätze durch McCain?

Ein direkter Baubeginn für die geplante Pommesfabrik ist vom Tisch. Allerdings betont das Unternehmen, dass Deutschland weiterhin ein Kernmarkt bleibt. In den kommenden Monaten sollen alternative Investitionsstrategien geprüft werden, deren genaue Natur jedoch noch nicht kommuniziert wurde.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das geplatzte Projekt in Mehrum eine schmerzhafte Zäsur für die regionale Wirtschaft darstellt. Während Umweltschützer und Bürgerinitiativen aufatmen, stehen Politik und Wirtschaft vor der Herausforderung, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen und attraktive Bedingungen zu schaffen, damit kommende Investoren nicht ebenfalls vor den hohen Kosten in Niedersachsen kapitulieren.